Aus dem Nähkästchen einer Kartenlegerin

Entscheidungen

Wie schwer ist es oft Entscheidungen zu treffen.
Manche agieren aus dem Bauch heraus, manche zermartern sich tagelang den Kopf und sind noch um den Schlaf gebracht.
Ich bin jemand, der irgendwo in der Mitte rangiert, je nach Wichtigkeit der anstehenden Entscheidung.
Als wir 2008 in einer quasi Nacht und Nebel Aktion nach Nürnberg zogen, entschloß ich mich völlig spontan. Ohne langes Nachdenken, einfach nur weg aus einer Region,die kaum noch Chancen bot, nicht für mich und wenig für meine, langsam in die Zeit der beruflichen Orientierung kommenden Kinder.
Meine Freunde schlugen die Hände über dem Kopf zusammen.
Und doch, ich hatte Arbeit, bevor ich eine Wohnung hatte, mein Sohn eine Firma bei der er seine Ausbildung fortsetzen konnte und die Jüngste eine Schule, die sich als Glücksfall herausstellen sollte.
Alles gut gegangen, die beste Entscheidung meines Lebens.

Erst als viel Zeit vergangen war, begriff ich, was ich da eigentlich riskiert hatte.
Mit drei Kindern, von jetzt auf sofort, ab ins Ungewisse.
Würde ich es nochmal tun?
Ich bin mir ziemlich sicher, ich würde erstmal planen und nachdenken.
Doch hätte ich das getan, wäre ich vielleicht gar nicht gegangen.

Entscheidungen sind selten einfach. Besonders die, die dein Leben in eine unbekannte, unsichere Richtung führen.
Welche Bilder unsere Fantasie herauf beschwören kann, brauche ich nicht zu erläutern.
Stopp!
Welche der befürchteten Katastrophen sind wirklich eingetroffen?
Sind nicht schon mal Probleme aufgetreten, die tatsächlich nicht auf der so sorgfältig bedachten Stolperstein-Agenda standen?
Ich habe wiederholt erfahren müssen, dass trotz voraus gegangenes Gedankenkarussel und beste Planung alles schief lief.
Wie auch manche Entscheidungen, die eher vom Himmel fielen, wunderbare Ergebnisse brachten, ohne Vorarbeit.
Ich glaube nicht, dass wir in der Lage sind, alle Konsequenzen und Möglichkeiten im stillen Kämmerlein zu erahnen.
Eine Entscheidung ist, wie ein ins Wasser geworfener Stein.
Die Kreise werden immer weiter, sie treffen auf das Ufer, weiter draußen auf ein Tretboot, auf eine planschende Ente.
Wie sollen wir beim Wurf ahnen, was da alles in die Quere kommt.

Nein, zu völlig unbedachten Aktionen rate ich nicht.
Wir tragen die Verantwortung für unsere Taten, für die Menschen, die mit uns sind.

Meine kleine Anleitung Entscheidungen zu treffen:

  • Informiere dich.  Schau nach verschiedenen Quellen und Erfahrungsberichten. Angst ist immer auch Ungewissheit, sie lähmt. Sammle Informationen. Agiere, dann bist du nicht nur damit beschäftigt zu reagieren.
  • Frage dich, was nüchtern betrachtet das Schlimmste wäre, was passieren könnte.
  • Überlege, was du deiner Freundin/Freund raten würdest, wäre er oder sie in deiner Situation.
  • Schreibe dir die positiven und negativen Aspekte auf und stelle sie gegenüber. Der neue Job bringt mehr Geld und , doch du musst weit weg ziehen und verlierst den direkten Kontakt zu Familie und Freunden usw. Überlege dir dann, wie weit du bereit bist zu gehen.
  • Wenn du um Rat fragst, suche nach Menschen, die in deiner Ansinnen bereits erfolgreich waren. Sie können Mentor sein und dich motivieren. Von ihrem Wissen wirst du profitieren.
  • Warte nicht zu lange, Chancen neigen dazu, sich nach einer Weile in Luft aufzulösen.
  • Entscheide DU, bevor äußere Umstände die Entscheidung für dich treffen, was selten zu deinem Besten geschieht.

Leider offenbaren Entscheidungen meist erst nach einer Weile, ob sie günstig, ein Glücksfall oder ein Griff ins Nichts waren.
So sind sie eben.
Es ist an uns, uns nicht entmutigen zu lassen.
Ungünstige Entscheidungen beinhalten einen Schatz;
die Chance daraus zu lernen und die Misere beim nächsten Anlauf auszulassen.