Aus dem Nähkästchen einer Kartenlegerin

Über Stock und Stein mit Jakobus

Jakobswege 2019

Ich bin ein Mensch, der in seinem Leben nur ein einziges Mal ein Auto hatte, für kurze Zeit. All die anderen Jahre bin ich gelaufen, mit dem Fahrrad gefahren oder mit dem Zug.
Und ja, auch mit meinen drei Kindern, wir hatten immer Spaß und fühlten uns nicht eingeschränkt.
Wie schön waren Urlaube mit dem Fahrrad, an die See mit dem ICE oder Fahrten mit Fähren oder Raddampfern.

Strecke selbst zurücklegen, aus eigener Kraft

Auf seinen Körper und seinen Willen vertrauen, den Weg zu schaffen, egal wie weit.

Das Ankommen genießen, das erste vernünftige Essen, Schuhe aus und Rucksack in die Ecke, duschen und den Körper fühlen, den Geist völlig frei.

Meine große Tochter wandert für ihr Leben gern und als sie mich fragte, ob wir etwas zusammen unternehmen wollen, viel die Wahl schnell auf den deutschen Jakobsweg.
Wir bestellten unsere Pilgerpässe, um Stempel zu sammeln, eine herrliche Erinnerung.
Die Muschel für den Rucksack und eine Karte mit den Pilgerwegen.
Wir wollen laufen, Umwege sind keine Katastrophe, sondern neue, andere Wege, die wir begrüßen. Wer weiß was uns dort erwartet.
Doch völlig wollen wir nicht die Richtung verlieren.
Das will man ja auch im Leben nicht.

So viel die Wahl auf Nürnberg-Eichstätt, fürs Erste.
97 km Weg liegen Anfang April vor uns.
Durch unsere Begeisterung angesteckt, folgt im Mai Nürnberg-Speyer mit meinem Mann.
Nochmal ca. 250 km.
Was wird der Weg mit uns machen?
Was werden wir im Sonnenschein, im Regen und vielleicht Gewitter über uns lernen?
Wenn die Schuhe triefen und man fröstelt.
Wird uns Glaube berühren?
Kann man pilgern ohne sich mit Gott auseinanderzusetzen oder erwartet er uns irgendwo auf den staubigen Wegen?
Vielleicht, wenn die Füsse weh tun, es lange den Berg hoch geht?
Bleibt alles stumm?
Wen lernen wir kennen auf den langen Wegen und in den Unterkünften?

Pilgern ist suchen

Pilgern ist aber auch etwas zu finden, was man nicht sucht.
Wir laufen jeweils zu zweit.
Werden wir ein gemeinsames Tempo finden?
Können wir zusammen schweigen?
Finden wir zueinander in einer neuen Intensität?
Oder wird der Weg an der Gemeinsamkeit nagen?
Was wird der Jakobsweg mit uns machen?

Vorbereitung auf den Jakobsweg bis Santiago

Wir wollen den ganzen Weg gehen.
Man sagt, pilgern beginnt an der Haustür.
2062 km, fast vier Monate werden wir unterwegs sein.
Durchhalten, nicht aufgeben.
Auf die eigene Essenz zurückfallen.
Überwinden.
Schritt für Schritt, das ist das Tempo der Seele.
Am Wegesrand stehen Blumen und wir bauen ein Steinmännchen.
Zur Erinnerung an uns.
Seit Jahren ist es mein tiefster Wunsch.

Jakobswege sind Seelenwege.
Abenteuer, die gelebt werden wollen.
Eine Lektion für das eigene Selbst.
Danach wird nichts mehr sein, wie vorher.