Wandern

Reste von Schnee

Sonntags ist bei uns immer Wandertag. Wir gehen gemeinsam.
An Wochentagen bin ich gewöhnlich mit den Hunden allein unterwegs.

Diese Woche hatten wir uns die Sinterterrassen bei Weißenohe vorgenommen.
Als wir am Startpunkt ankamen, die Überraschung.
Hier liegt noch Schnee. Unser Hund stürzte sich überglücklich in die harschen Reste.
Robbt über die vereiste Fläche und schliddert wild hin und her.
Eine kleine Lektion in Leben genießen.
Dinge so nehmen, wie sie kommen. Keinen Gedanken verschwendet er daran, etwas ändern zu wollen. Sich den Frühling herbei zu wünschen.
Wenn wir das doch auch in solcher Vollendung könnten.
Den Moment genießen! Nicht im Gestern sein, nicht im Morgen.

Derart seelisch erfrischt und die unerwartete Kälte gelassen hinnehmend schlendern wir weiter. Der Boden ist matschig und gleichermaßen rutschig.
Ich habe das Gefühl minütlich größer zu werden, soviel Matsch bleibt unter den Sohlen kleben. Doch was solls, der Blick wendet sich auf strahlend blauen Himmel und die zaghaft erwachende Natur.
Wenn etwas schützendswert ist, dann das.
Hier stehen kaum Häuser, nur winzige Wege durchschneiden die Wiesen und ich werde nostalgisch.
In meiner Jugend konnten wir auf der Straße spielen. Nur selten musste man einem Auto Platz machen. Wild durchquerten wir mit unseren Rollern die Siedlung.
Unsere Eltern ließen uns toben, zum Abendessen seit ihr daheim.
Was hat sich verändert?

Die Sinterterrassen bestaunen wir mit einem Fotografen, der erst das Naturschauspiel aufnimmt und sich dann unseren Hunden zuwendet.
Ein kurzes Gespräch und wir machen uns an den Aufstieg Richtung Kapelle.
Am Rande des Weges entdecken wir Fossilien. Gebannt von der Faszination Schnecken und Muscheln zu betrachten, die vor ca. 200 Millionen Jahren hier zuhause waren, dauert der Weg etwas länger und der Rucksack bekommt ein wenig mehr Gewicht.
Die Kreise, das immer gleichbleibende Kommen und Gehen, drängt sich in den Sinn.
Alles um uns ist entstanden durch und aus den Lebewesen, die weit vor uns da waren.
Auch wir sind nur ein Wimpernschlag der Erdgeschichte.
Sollten wir die Zeit nicht bewusster nutzen?
Beziehungen pflegen, nicht so verbissen auf unserem scheinbaren Recht beharren, die Natur und die Lebewesen schützen, denn dieser herrliche Planet ist alles was wir haben?

Am Weg begegnen uns Steinmännchen. Sie sind und waren Wegweiser.
Es eint den Globus. Ich habe sie in Kanada, in Portugal und im Alpenraum gesehen.
Wo ich auch hin kam.
Mir fällt die Verantwortung ein, die alle für sich, die Welt und die Mitmenschen tragen.
Wir alle können Wegweiser sein. Zu mehr Bewusstsein, zu mehr Mitgefühl, zur Bereitschaft anderen zu helfen und unsere Welt zu schützen.
Wir sind bei weitem nicht die Ersten und werden auch nicht die Letzten sein.
Demut vor jeglicher Art von Leben!
Ohne Streben nach immer mehr Ansehen und Geld.
Die Dinge, die ich besitze passen in einen kleinen Transporter und ich denke sogar, das ist noch zuviel.
Ein Rucksack wäre genug. Mit dem Nötigsten.
So möchte ich leben. Ohne schweren Anker, am liebsten in einem Bauwagen wie Peter Lustig. Mitten in der Natur, frei und leicht.