Mensch, Mogrian!

Fastenzeit

Ist Fasten sinnvoll?

Wir haben das unglaubliche Glück in einem Land zu leben, indem es in Hülle und Fülle von allem gibt.
Eigentlich müsste man sogar sagen, zuviel.
Aber es hat nicht immer mit Nahrung zu tun. Sauberes Wasser aus der Leitung, sogar warmes, Strom, ärztliche Versorgung, der Zugang zu Bildung, Internetanschluss, ein immenses Freizeitangebot, das alle ist für uns selbstverständlich.
Wenn wir all das nutzen vergehen wir selten in Dankbarkeit.
Für uns ist es normal, an unendliche vielen Orten ist es das nicht.

Mir wird immer mulmig, wenn ich auf der anderen Seite bedenke, was wäre, wenn das alles aus irgendeinem Anlass heraus wegfallen würde.
Allein ein anhaltender Stromausfall würde unsere Gesellschaft schwer treffen.
Es liefe kein Wasser mehr aus der Leitung, die Infrastruktur würde langsam zusammenbrechen, die Geschäfte blieben nach kurzer Zeit leer und die Menschen, die genug Vorräte zu Hause hätten, müssten gut darauf aufpassen.

Die Fastenzeit ist für mich eine Zeit mir diese Abhängigkeit, Fluch und Segen der modernen Gesellschaft vor Augen zu führen.
Wie abhängig bin ich?
Wie selbstverständlich, wie wenig achtsam gehe ich mit den Dingen um?
Weiß ich all die Annehmlichkeiten noch zu schätzen?
Oder konsumiere ich ohne Sinn und Verstand?
Fühle ich noch Dankbarkeit?
Nehme ich meine Umwelt, die Politik und Gesellschaft noch wahr, setze ich mich damit auseinander oder bin ich eingelullter Mitläufer?
Wie gehe ich mit mir um? Bin ich achtsam oder gehe ich über meine Kraft.
Wie pflege ich meine Beziehungen?
Bilde ich mich weiter oder habe schon lange aufgegeben?

Eine Zeit des innehaltens, sich ausrichten, Bestandsaufnahme.

Ganz bewußt auf Dinge verzichten, die uns anscheinend in den Fängen haben.
Sei es gewisse Nahrungsmittel, Social Media, Fernsehkonsum oder Fast Food.
Müll einschränken oder gezielt regionale und saisonale Produkte einkaufen.
Vielleicht auch nicht alles kaufen, was einem gerade gefällt und sich erst klar werden, ob man dieses Stehrumchen überhaupt wirklich braucht.
Überflüssige Dinge aussortieren, verkaufen oder verschenken.
Ein paar Wohlstandskilos verabschieden.
Die staubige Gitarre von der Wand holen und eine neue alte Leidenschaft zum Leben erwecken.
Das Auto mal stehen lassen und die beiden Füsse verwenden, die wir nicht nur haben, um auf Gaspedal und Kupplung zu treten.
Ein gutes Buch bis zum Ende lesen.
Es gibt so viel, was im Laufe des Lebens hinten über fällt.

Ich werde dieses Jahr ganz bewußt auf Zucker verzichten.
Ich bin nämlich eine leidenschaftliche Naschkatze.
Sinn ist auf etwas zu verzichten, was weh tut.
Und für Schokolade und Eis könnte ich auf Knien bis Rom rutschen.
Aber Fastenzeit hat ein Ablaufdatum, auf das ich mich freuen darf.

Und ich darf mich testen.
Wie groß ist meine Selbstbeherrschung?
Wann fange ich an mit mir selbst zu diskutieren?
Wann tut es dann wirklich weh?

Ich möchte nicht aufgeben.

Ich habe ja noch nicht angefangen, da sagt sich das leicht.
Doch ich bin überzeugt, Verzicht ist eine gute Schule.
Eine Übung in Selbstkontrolle kann nicht schaden.
Ich nehme mir vor dankbar zu sein.
Ich lebe gut, ich lebe im Übermaß, ich lebe in Frieden.

Fasten ist erfahren, wo ich stehe.
Betrachten, was nie meine Aufmerksamkeit erfährt.
Ist Freude über Dinge, die mir selbstverständlich sind.
Ist ein Sieg über mich und meine Gewohnheiten.
Sieben Wochen von zweiundfünfzig.
Das sollten wir uns alle wert sein.
Sieben Wochen, in denen wir uns bewußt ansehen, wie reich wir beschenkt sind.
Neben allen Problemen die wir haben.
Es könnte alles viel schlimmer sein.

4 Kommentare zu „Fastenzeit

  1. Das stimmt, allerdings möchte ich inspirieren, sichtbar machen. Ich brauche keinen Dank, ich schreibe was ich erkenne. Nicht jede Erfahrung muss man zwingend selbst machen und wenn nur einer profitiert, super!

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  2. Kämpfe aber lieber nur für dich, denn erkennen kann man nur selber. Meine Erfahrung. Wie heißt es so schön: Der Dank wird dir ewig hinterherlaufen, nur dich nie erreichen.

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  3. Molefran, da stimme ich dir zu. Ich kämpfe immer für mehr Bewusstheit, möchte zum Nachdenken anregen. Auch wenn es manchmal scheint, wie ein aussichtsloses Unternehmen, ich geb die Hoffnung nicht auf

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  4. Ja, wir leben im Überfluss. Und solange, wie wir uns nicht selbst beschränken, solange wird sich auch nicht wirklich grundlegend auf und in der Welt etwas ändern. Der Verbraucher ist wie so häufig hier gefragt. Der Verbraucher, der Nachdenkt. Mitdenkt. Seine Verantwortung wahrnimmt.

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