Mensch, Mogrian!

Schönheit liegt im Auge des Betrachters

Eine Studie zur aktuellen Lage aus Sicht einer Unverständigen
Seit Photoshop bestechen Models mit lupenreiner Haut und perfekt strahlenden Augen, nicht zwingend in der Originalfarbe.
Sie tragen Mode in super-mini-passt-kein-normaler-Mensch-rein-s mit fünf x vorher.
Leute, nur ein Hund spielt mit Knochen. Während die normal gewichtigen Designer sich stolz feiern lassen.
Versehentlich schalte ich auf die Oscar Verleihung. Haute Couture wo man hinsieht.
Was sind das für Kleider? Ich verstehe Kleider nicht, wo wahlweise die Brust, der Bauch, der Po oder alles beieinander heraushängt.
Zudem hat die Modelage der Gesichter schätzungsweise Tage, wenn nicht Wochen gekostet.
Es gibt Frisuren 2019, Mode die nur ein paar Monate Mode ist, Schuhe bleiben auch nicht verschont, Brillen, Handtaschen.
Farben dürfen keine Farben sein, nein, es gibt Trendfarben, für jede Jahreszeit eine andere. Der Mensch kann 20 Mio Farben unterscheiden. Da geht die Auswahl ja so schnell nicht aus.
Cremes, allerlei Spachtelmasse, Hightech Zahnbürsten und sonstwie sich nützlich machendes Gedöns leeren den Geldbeutel.
Gepflegt sein, das ist ansprechend und fördert den zwischenmenschlichen Umgang.
Aber wo ist dann des guten zu viel?

Kann denn Schönheit Sünde sein

Ich bin der Überzeugung, das Frauen sich schöner empfanden, als es noch keine Designer, Modezeitschriften und Stars gab.
Uns werden unrealistische Models gezeigt, uns wird weiß gemacht, das wäre das Schönheitsideal und jeder ist nur dann in Ordnung, wenn er so dünn ist, dass er sich beim Überqueren der Strasse vor Gullys in Acht nehmen muss.
Essen ist Lebensfreude, ohne gesunde Nährstoffe in ausreichender Menge werden wir krank und mies gelaunt.
Schlank und gesund sein ist die eine Seite, die andere zu oft die manische Fixierung auf Nahrung, bzw. eben keine, übertriebenen Sport und Kosmetik in Tonnen und ohne Preislimit.
Frauen und Männer kasteien sich, ruinieren sich finanziell und sind doch nie zufrieden.
Photoshop to go. Das wäre ein Wahnsinnsgeschäft.
Mit vermeintlicher Schönheit werden Milliarden gemacht. Durch wechselnde Trends und immer neue Wundermittel und natürlich dem erzeugten schlechten Gewissen, werden Menschen in eine Abhängigkeit gezwungen.
Hollywood, die großen Magazine, Modeschauen, alles Seifenblasen, Traumwelt.
Mädels geben sich für zweifelhafte Castingshows her, weinen, verzweifeln und bekommen entgegenfrohlockt, du bist einfach noch zu dick.
Darf man das eine Perversion nennen? Krampfhafte Reduktion auf Äußerlichkeiten?
Wann ist das eigentlich so aus dem Ruder gelaufen?

Wie ich mich sehe, so sieht mich die Welt

Bin ich schön für mich oder für den Betrachter?
Ist es ernsthaft eine gesunde, ausgeglichene Seele, die sich nur geschminkt auf den Balkon traut?
Morgens in aller Eile ins Bad rennt, bevor der Partner aufwacht?
Männer das Fitness-Studio besuchen in einer Intensität, dass die Partnerin sie kaum noch sieht? Ohne Frage ist er attraktiv, wenn man ihn denn einmal zu Gesicht bekommt, aber macht das eine Beziehung erfüllt, ist das erstrebenswert?
Ich kann mich genau an die Geräusche erinnern, die Massen von Kosmetikfläschchen verursachen, wenn sie bei der hektischen Suche nach einem erforderlichen Schmierstoff in das Waschbecken purzeln.
Man kann sich in manchem Bad kaum bewegen, ich werde da klaustrophobisch.

Aber was ist denn wichtig? Gehe ich gern mit dekoriertem Kleiderständer aus dem Haus, der noch stundenlang über die neuesten Beauty Trends schwadroniert oder möchte ich mich in einem zauberhaften Gespräch wiederfinden, lachen und einen schönen Abend haben?
Wie lange denkt ihr, braucht Frau oder Mann um hinter die Fassade aus Hochglanz zu sehen?
Sind wir nicht viel mehr?
Menschen mit Gefühlen, Leidenschaften, einem hinreißenden Lächeln?
Der erste Eindruck ist nicht nur die Verpackung.
Sympathie entsteht durch Gesten, Eloquenz, offene Freundlichkeit und durch das Talent Interesse zu wecken.
Ich habe eine bildhübsche, doch relativ pralle Kollegin über Jahre beobachten dürfen.
Sie sprühte nur so vor Lebensfreude, hatte ein mitreißendes Lachen, warmherzig und schlagfertig.
Die  Kunden waren hingerissen und die männlichen davon strahlten sie an.
Ihr Partner schlank und sportlich, Marke Surfer, kam jeden Tag, um sie abzuholen.
Warm wurde mir ums Herz, wenn ich sah, wie liebevoll sie miteinander umgingen.
Warum lassen wir uns also so sehr beeinflussen von Menschen, die uns nur manipulieren, um Geld zu verdienen?
Niemand geht es um unser Wohl, ihnen geht es darum uns das mühsam Verdiente aus der Tasche zu ziehen, indem man uns weiß macht, wir würden nicht genügen, nicht hip sein, nicht erfolgreich, nicht geliebt werden, wenn wir nicht nach ihrer Pfeife tanzen.
Und hinter all den schönen Worten und Bildern erkennt man nur eins;
ich, ich, ich, ich! Designer und Trendsetter gockeln und arroganzen um die Wette, dass einem schlecht werden könnte.
Wie erfrischend Menschen, die sich selbst mit Humor nehmen, ihren eigenen Stil haben und mit Charakter und gesunder Intelligenz punkten.
Die in der Lage sind hinter die Machenschaften der Schönheits- und Trend Mafia zu blicken.
Schönheit und Streben danach ist destruktiv, wenn es zur Sucht wird.
Wenn Gedanken nur noch um dieses Thema kreisen, wenn man auf andere hinunter sieht, wenn man sich selbst verliert und die Fassade das einzige ist, was bleibt.
Wenn man aus Angst davor handelt, sonst nicht genug zu sein.

Und ich?

Mein Bad kann atmen, ich bin stolzer Besitzer eines selbst gemachten Deos, habe ein Shampoo und eine Kräuterseife, eine Sonnenmilch, eine Bambuszahnbürste, ein Rasierer und Zahncreme.
Ich bin mit meinen Hunden viel draussen, bin an Stellen, an die die Sonne kommt gebräunt.
Ich schminke mich dezent, wenn ich ausgehe.
Ich habe kaum fünf Paar Schuhe, mein Schrank ist bescheiden gefüllt. Ich setzte auf Kombinationsmöglichkeiten, bequem, schwarz oder grün. Bisschen metal oder Haremshosen.
Bassisten haben kurze, unlakierte Fingernägel, so auch ich.
Ich liebe Wollmützen, Kapuzen und mir ist denkbar wurscht was andere von mir denken.
Man mag mich oder man lässt es. Punkt.
Ich habe einen wunderbaren Partner gefunden, meine Freunde schätzen mich gerade deswegen.
Ich habe mich nie absichtlich aus der Schubladenfalle befreit. Ich  war schon immer so.
Ich bin zufrieden mit mir. Ich habe bestimmt ein paar Kilo zuviel, wandere viel, fahre Bärbel (mein Fahrrad), weil ich nicht Autofahren mag. Ich mochte es noch nie.
Ich habe keinen Gesellschaftsluxus. Ich wüsste auch nicht was ich damit sollte.
Ich lebe und genieße.

Noch eine Kehrseite

Kurz möchte ich noch anschneiden, wie indiskutabel dieses sich ewig drehende Karussell für Menschen und Umwelt ist.
Es wird für eine nur kurze Zeit des Trends produziert, nicht annähernd aufgetragen, aussortiert und verursacht so eine immense Verschwendung von Ressourcen.
Wobei ich gestehen muss, mancher Trend Kram ist derart albern, dass man es auch kaum nach Ablauf der Geschmacksverirrung weiter tragen kann.
Von einigen Frauen weiß ich sogar, dass sie sozusagen die Kleidung sozialerweise bereits für die Kleidersammlung kaufen.
Kaum zu Hause stellen sie fest“ steht mir nicht“, lagern es noch einige Zeit im Schrank und bringen es dann doch zum Container.
Das Geld ist weg, die Klamotten auch und die Spirale dreht sich im Ernstfall schnell nach unten.
Was habe ich schon entsorgte Kosmetik gesehen? Es wird nicht verbraucht.
Nein, es kommt in die Tonne, sobald eine neue Creme viel besseres verspricht.

Ist es nicht endlich Zeit auszusteigen?
Erkennen wir, wer wir wirklich sind.
Lassen wir die Manipulation ins Leere laufen.
Setzten wir auf mehr Nachhaltigkeit und auf unseren eigenen Stil, der tatsächlich zu uns passt.
Definieren wir uns nicht mehr so verbissen über das Äußere.
Lernen wir die Trends und Angebote zufiltern. Erkennen wir ihren wahren Sinn.
Ich behaupte, dass macht die Welt viel bunter, vielfältiger und den einzelnen Menschen wirklich einzigartig.
Mode und Trends sind Uniformen, die uns gleich und langweilig machen.
Wo bleibe ich, wenn ich nach der Rüstung aus Make-up und Markenklamotten bewertet werde?
Will ich von solchen Menschen überhaupt Anerkennung?
Es reicht doch sicherlich, wenn wir uns nach Gusto ordentlich ausstatten und ab dann den gesunden Menschenverstand walten lassen.
Nichts ändert eben die Tatsache, dass sich das neue Make-up nach ein paar Tagen anfühlt, wie ein altes. Und dem Pulli geht es ebenso…
und wenn dich deine Falten nerven, die die Geschichte deines Lebens in die Haut zeichnen, dann nimm einfach die Brille ab und sie sind weg.