Wandern

Walberla, der Himmel über mir

Gestern brachen wir zu unserer gemeinsamen Wanderung auf.
Herrliches Wetter und viel Wind. Der Rucksack mit Picknick und Brotzeit der Hunde will den steilen Berg hinauf getragen werden, aber der Ausblick lockt.
Trotz dem anstrengenden Aufstieg genieße ich es in der Höhe zu sein.

Es fährt kein Auto, der Blick ist weit und es ist herrlich ruhig.
Hätte ich die Wahl zwischen einem Einkaufsbummel in überfüllten Fußgängerzonen und der Natur, ich müßte nicht überlegen.

Mit den Jahren verging die Sehnsucht, mich in das Getümmel zu begeben.
Die Umgebung ist mir zu laut, zu hektisch. Zu oberflächlich sind mir die flüchtigen Kontakte geworden. Ich erkenne keinen Sinn mehr darin, mich zwischen fremde Menschen zu quetschen. Ich habe die manische Selbstdarstellung meines Umfelds satt.
Mir ist dieses allgegenwärtige Handy zuwider. Wieso soll ich mit jemandem sprechen, der gleichzeitig seine Nachrichten checkt.

Ich mag nicht viel Geld für einen Kaffee ausgeben, der mir oft nicht mal schmeckt.
Mag kein Hörnchen essen, das von Hamburg bis München gleich schmeckt.

Qualität statt Quantität

Zufriedenheit ist dem wirtschaftlichen Zwangswachstum gewichen.
Das Immer-Mehr zur Manie geworden.

Ich muss immer und alles möglichst billig erreichen können.
Auch am Sonntag und bis in die Abendstunden.
Kleine Betriebe sterben an der Konkurrenz der Discounter oder am Personalmangel.
Der Geschmack der Ware ist zum Einheitsbrei verkommen.
Den Rest killt die EU Verordnung.
Das Bauernbrot aus dem Holzofen ist nun eine Gefährdung für Leib und Leben.
Das Vermarkten selbst hergestellter Lebensmittel so kompliziert, dass es die meisten einfach lassen.
So muss uns eben die Chemie Marmelade schmecken. Die hat aber einen ordentlichen Stammbaum aus dem Labor, ist unbedenklich, wird nur gelegentlich zurückgerufen, weil sie Glassplitter oder Metallspäne enthält.
Ich darf Kartoffeln kaufen aus dem schönen Ägypten.
Äpfel aus Neuseeland.
Was passiert genau mit unseren Äpfeln und Kartoffeln?
Fliegen die im Gegenzug nach  Brasilien und in die USA?
Ich wandere weiter Berg auf und will nicht mehr an das Tal mit seinen Aldis und Co. denken.  Nicht daran, was uns die momentane Wirtschaft antut, des Gewinns wegen.

 

Der Weg zum Gipfel

Am Wegesrand steht ein überdachtes Holzregal mit fränkischen Äpfeln.
ich schmunzele über den Hinweis, dass das Obst sein volles Aroma erst entfaltet, wenn man es bezahlt hat.
Da steckt ein Mensch mit Humor dahinter. Ein heimischer Obstbauer.
Der die Obstwiese pflegt, die mich in eine paar Wochen mit ihrer hinreißenden Blüte verzaubert.
Jeder grüßt sich auf dem Weg nach oben, die Wanderer lächeln sich an.
Alle paar Meter fallen einige nette Wort.
Verschwitzt machen wir Bilder am dem Gipfelkreuz.
Suchen uns ein Plätzchen für die Pause.
Hier oben sind alle gleich.
Ich höre niemanden motzen, ich beobachte, wie alle den Ausblick und die Sonne genießen. Kinder tollen herum, ohne auch nur einen einzigen Gegenstand zum Spielen zu haben. Hunde toben dazwischen mit Artgenossen.

Zwischen mir und dem Alltag liegen 531 m.
Es gibt kein Geschäft, kein Café, keine Imbißstube.
Kein Skilift zerschneidet die Landschaft, keine Werbetafeln oder Pfeiler einer Seilbahn.Keinen achtlos hingeworfenen Müll.
Kein Auto verschandelt die Umgebung.

Wir rasten in der Sonne, essen was wir mitgebracht haben, unterhalten uns.
Wir spielen mit den Hunden und lehnen uns in den Wind.
Wie wenig wir wirklich brauchen, um glücklich zu sein.