Umwelt

Fliegen könnte so schön sein

Ich liebe es zu fliegen. Ich spüre die gewaltige Kraft beim Abheben, um dann die Landschaft immer kleiner werden zu sehen. Runde Regenbögen, unglaubliche Sonnenuntergänge. Der weite Blick, wo bekommt man das schon geboten.

Meine mobilen Anfänge waren tatsächlich Fahrten mit der Dampflok. Schwarz- roter Drache, wunderschön und fauchend. Ein ganz eigener Geruch, der mir allein bei dem Gedanken daran in die Nase steigt. Ich war drei Jahre alt, für mich war der Zug gigantisch.

Mit der Leidenschaft zum Auto wurde ich nie infiziert. In der Großstadt braucht man keins und ich nutze eh lieber mein Hollandrad.

Aber nach meinem ersten Flug, da war ich verfallen.
Ich klebe an der Scheibe, liebe Start und Landung, könnte dauernd über den Wolken sein.
Vor einigen Jahren durfte ich von Zürich nach Nürnberg im Cockpit mitfliegen.
Unvergessene Momente, faszinierend und beeindruckend.

Klima, Umwelt, schlechtes Gewissen

In mir toben jedoch zwei Herzen.
Ich möchte dieser wunderbaren Natur nicht unnötig schaden.
Natürlich kann ich an Atmosfair eine Umweltabgabe zahlen.
Aber kann ich dadurch mein Gewissen beruhigen?
Jährlich werden ca. eine Milliarde Tonnen CO₂ von Flugzeugen ausgestoßen.
Dazu kommen Ruß, Aerosole und Kohlenmonoxid.
Verschärft wird die Lage durch die Höhe, in der die Schadstoffe ausgestoßen werden.
Weder Kerosinsteuer, noch Ökosteuer werden erhoben, noch zahlen die Airlines Mehrwertsteuer auf  internationale Tickets.
Die wesentlich umweltfreundlichere Bahn wird nicht annähernd radikal unterstützt.
Was sich für Urlauber positiv auswirkt ist für die Umwelt eine Katastrophe.
Da fliegt man dann der Natur wegen um den halben Erdball und trägt gleichzeitig dazu bei, dass es mit der schönen Landschaft irgendwann vorbei ist.

Ich liebe es ferne Länder zu erkunden. Ich genieße den Flug, der mich immer wieder begeistert. Doch der Gedanke an die Schäden macht mich nicht glücklich.
Ich spare Strom, ich vermeide Müll, ich habe kein Auto und ich brauche keins.

Darf ich nun meine Ersparnis verfliegen?
Fliege ich wenig oder besser nicht mehr?

In meiner Jugend war Italien richtiges Ausland.
Wer dort im Urlaub war, der hatte es geschafft.
Heute zuckt man nicht mal mehr mit den Augenbrauen, wenn jemand von Australien, USA oder Peru erzählt. Warum auch?
Ein paar Filme schauen und  die Stärkung aus vielen Plastikhüllen pulen, ein Nickerchen und schon ist man da.
Mir fehlt die Einschätzung der Entfernung völlig, ich steige entspannt aus dem Flieger.
Es könnte auch um die Ecke sein.

Alle Gipfel sind erstiegen, alle Länder bereist.
Was kann uns heute noch beeindrucken?

Dieses Jahr geht der Urlaub in das Erzgebirge und den Harz.
Um ehrlich zu sein, die Entscheidung viel, weil mein Rüde mit seinen 14 Jahren nicht mehr allzu lange bei uns sein wird und wir die Zeit mit ihm verbringen wollen.
Aber ich freue mich auf den Kyffhäuser und die Brocken Bahn.
Genauso, wie letztes Jahr auf Kanada.

Und trotzdem geht mein Herz auf, wenn ich ein Flugzeug sehe.
Mich fasziniert die Technik, das Gefühl zehn Kilometer über dem Boden zu sein.
Der A380 wiegt beladen bis zu 575 Tonnen, das sind in etwa 380 PKW.
Unglaublich, dass er fliegen kann.
Ich wiege etwas weniger und ich kann nicht mal sehr hoch springen.
Ja, da mache ich nun Spagat zwischen der Liebe zur Luftfahrt und meiner Liebe zur Natur und Nachhaltigkeit.
Ich sollte konsequent nicht fliegen, denn unsere Zukunft liegt mir am Herzen.
Aber ich fliege so gern, ich müsste nicht mal irgendwo hin.
Sitzen bleiben, weiterfliegen.
Wenn nicht die andere Stimme in mir wäre…