Allgemein · Wandern

Vermisst, der Berg hilft dir nicht

Wer in den National Parks in Kanada und den USA wandert, wird sehr schnell herausfinden, dass auf fast jedem Wanderparkplatz Aushänge über vermisste Personen zu finden sind. Seit Monaten, manchmal seit Jahren ist von ihnen keine Spur zu finden.
Die Bilder sind vergilbt, ausgefranst und doch steht dahinter ein Schicksal. Ich betrachte die Bilder, ein älterer Herr, es sollte eine Tagestour werden.
Nun ist er seit über drei Jahren fort.
Ein junges Mädchen, sie war mit Freunden feiern und ist in den Fluss gestürzt.
Es zieht sich durch die ganze Kanada Tour, es ist traurig mit diesen Schicksalen im Rucksack wandern zu gehen.
Und immer halten wir Ausschau. Vielleicht entdecken wir etwas, einen Wanderstiefel, eine Jacke, irgendein Überbleibsel.
Es muss furchtbar sein nicht zu wissen, wo ein Angehöriger abgeblieben ist.

David Paulides, ein ehemaliger Polizist, hat mehrere Bücher über besonders mysteriöse Fälle geschrieben. Er mutmaßt nicht, er dokumentiert das fast unglaubliche Verschwinden, das verständlicherweise von den Rangern nicht an die große Glocke gehangen wird.
Wanderer, sogar Kinder, verschwinden aus Gruppen, lautlos, unbemerkt.
Viele werden nach einiger Zeit tot aufgefunden, andere tauchen schwer verwirrt an völlig anderen Stellen wieder auf und können sich an nichts erinnern.
Kleinkinder werden auf Bergen gefunden, die sie nicht bestiegen haben können, Tote werden nackt gefunden, ihre Kleidung sauber neben sich gefaltet.
Suchmannschaften finden Tote, wo sie bereits zuvor alle Steine umgedreht hatten.
Im Netz wird diskutiert.
Zum Glück ist es nur der Gipfel des Eisbergs. In knapp 200 Jahren sind so an die 2000 Menschen verschwunden.
Bei jährlich 330 Millionen Besuchern (Stand 2017) ist das nicht wirklich viel.
Doch die Rätsel bleiben und die Fälle sind weiterhin ungeklärt.
Die Mehrzahl der Wanderer kommt wohlbehalten an. Doch was dort mitunter passiert ist schon sehr unheimlich.
Auf YouTube gibt es dazu einige gute Berichte in Deutsch und Interviews mit David Paulides in Englisch. Die Bücher „Missing 411“ sind leider nur in den Vereinigten Staaten zu einem vernünftigen Preis erhältlich. Doch wer sich gerne gruselt, ist mit diesen Büchern gut bedient.

Vermisste Wanderer gibt es weltweit

Als ich 2016 eine Wandertour im Allgäu unternahm, wunderte ich mich über Hubschrauber, die längere Zeit über dem Tegelberg standen.
Es schien belebt in der Wand. Es war wunderbares Wetter und es war Juli.
Womöglich hatte sich jemand beim Wandern verletzt.
Als ich abends meine Wirtin darauf ansprach, erklärte sie mir, dass man einen abgestürzten Bergsteiger tot geborgen hatten und dabei durch Zufall weitere menschliche Überreste entdeckt hatten. Es waren die traurigen Hinterlassenschaften eines, seit zwei Jahren vermissten 47 Jahre alten Bergsteigers.
Erfahrenen Männer, die sehr wohl die Gefahren kannten.
Ich war bestürzt. Diese herrliche Natur. Dieser schöne Berg mit Blick auf Neuschwanstein.
Es sind erstaunlich viele Menschen verunglückt oder verschwunden.
Wer das im Internet recherchiert sieht sich endlos vielen Berichten gegenüber.

Es muss nicht immer der endzeitlich anmutende Wettersturz sein, der Leib und Leben bedroht.
Oft sind die Auslöser, um in Schwierigkeiten zu kommen banal.
Vorbereitung schützt nicht vor allem, aber man sollte der Natur mit Respekt begegnen.

 

Bestmögliche Sicherheit beim Wandern

Die Natur, gerade in den Bergen, ist uns nicht immer freundlich gesonnen.
Allumfassende Sicherheit existiert nicht.
Trotzdem gibt es einige Punkte, an die wir uns halten, um das Risiko nicht unnötig herauszufordern

Unsere Checkliste

  • Wir gehen nur gesund wandern und klettern.
    Zudem sollte man sich auch mit der für die Tour erforderlichen Kondition auseinandersetzen und ehrlich zu sich sein.
  • Wir befassen uns vorher mit der Strecke, sehen nach Schwierigkeiten und Besonderheiten. Gibt es Schutz- oder Berghütten? Wie lange braucht man für die Strecke?
  • Wir gehen nicht ohne uns abzumelden und teilen mit, welche Tour wir gehen.
    Man kann auch eine Notiz über die Tour in das Auto legen.
  • Passende Kleidung, Regenschutz und immer eine warme Variante.
    Gerade in den Bergen kann es nach einem Schauer empfindlich kalt werden
  • Sichere, gut eingelaufene Schuhe, die Schutz vor Umknicken bieten.
    Gute, rutschfeste Sohlen und Ersatzschnürsenkel für längere Touren.
    Wanderstöcke.
  • Genug Zeit einplanen. Wer am Berg in der Dunkelheit herumtappen muss, hat ein Problem. Man sollte einen Bonus für plötzliche Unterbrechungen der Tour einplanen. Gewitter, eine Blase am Fuss, durch Geröll ungängiges Gelände und schon verzögert sich der Zeitplan. Im Zweifelsfall lieber eine Hütte ansteuern oder umkehren.
  • Wer ist in der Gruppe dabei? Wer nicht die Kondition und die Erfahrung der anderen Teilnehmer kennt und berücksichtigt, wird schnell vor ungewollten Schwierigkeiten stehen. Bei schwierigen Touren im Hochgebirge sind Bergführer eine gute Wahl. Gut investiertes Geld, wenn man als Bergsteiger Laie auch mal hoch hinaus möchte.
  • Genug Verpflegung mitnehmen. Es empfiehlt sich ausreichend  Wasser und eine Nahrungsreserve mitzunehmen. Ich habe immer noch ein paar Müsliriegel und Obst zusätzlich dabei. So wird es bei unvorhergesehenen Ereignissen nicht knapp.
  • Geld und Ausweis mitnehmen
  • Handy, Kompass, Wanderkarte, GPS Tracker. Eventuell sogar ein Funkgerät.
    Je nach Gegend, in der man unterwegs ist.
  • Genaue Beobachtung des Wetters.
    Ein Gewitter kann Steinschlag und Erdrutsche auslösen, Bäche werden unüberquerbar.Das Gelände wird rutschig.
    Möglichkeiten zum Unterschlupf kennen. Bäume, Felsvorsprünge und Höhlen meiden.
  • Eine kleine Notapotheke mitführen
    Pflaster, Verband, Desinfektionsmittel, Sicherheitsnadel, Zeckenzange, Schmerztabletten und natürlich, wenn nötig die Medikamente, die man verordnet bekommen hat in ausreichender Menge. Eventuell erforderliche Hygieneartikel.
  • Sonnenschutz, Sonnenbrille, Kopfbedeckung, Taschenlampe, Mückenschutz, Mülltüte, Feuerzeug
  •  Zu wilden Tieren Abstand halten.
    Laut reden, denn oft ist es nur der Überraschungsmoment, der die Tiere aufschreckt. Ruhig bleiben und sich vorsichtig zurückziehen.
    Besondere Vorsicht ist bei Kühen geboten. Durch sie werden jährlich weit mehr Menschen verletzt, als durch Bären und Wölfe.
    Das gleiche gilt für giftige Pflanzen. Berührungen vermeiden, was man nicht hunderprozentig kennt, Finger davon lassen.
  • Mut braucht man auf manchen Bergtouren durchaus. Nie sollte man aber in Übermut verfallen. Wo das Gelände die eigenen Fähigkeiten übersteigt, läuft man Gefahr in eine Sackgasse zu geraten, in der es nicht selten weder vor noch zürück gibt.
  • Last but not least
    Natürlich  freut sich jeder über ein sensationelles Selfie, doch leider zeigen einige Bilder den letzten Moment im Leben eines Menschen.
    Für ein Foto sollte niemand riskieren in den Tod zu stürzen.

Wie bei allen Unternehmungen im Leben gilt;
Vorsicht ist besser als Nachsicht.
Wir wollen unsere Leidenschaft leben, die Natur genießen und wenn möglich keine Rettungskräfte durch unsere Unachtsamkeit in Gefahr bringen.
Achtsamkeit für andere, immer zur Hilfestellung bereit sein,
Respekt und Schutz der Tiere und Pflanzen, gehören für uns genauso dazu, wie das Sammeln unseres anfallenden Mülls und das Entsorgen in geeigneten Behältern.

Habt Spaß beim Wandern. Seid nicht leichtsinnig.
Und kommt gesund wieder zurück.

 

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s