Mensch, Mogrian!

Waldweg Geschichten Teil 1

Wer viel draußen ist, erlebt auch so einiges.
Die menschlichen Launen sind ein unerschöpfliches Kontingent an Geschichten, den Rest steuert die Natur und ihre Bewohner bei.

Hobby Radrennfahrer

Fahrradfahren ist ja seit einigen Jahren ein wahrer Hype. Was früher noch Mittel zum Zweck war, kostet heute Unsummen und ist gleich dem dicken Fahrzeug zum Prestigeobjekt aufgestiegen. Man zeigt sich gern sportlich, und leider nicht immer rücksichtsvoll.
Den Kanal säumt ein schöner, bequemer Weg, den ich nur nehme, wenn ich eine kurze Runde mit meinen Hunden gehen möchte. Mir ist dort zuviel los.
Doch heute drängt die Zeit und ich biege auf ihn ein.
Mein alter Rüde bleibt an der Leine, er war schon mal in Seenot.
Mein kleiner geht frei, da er weder jagt, noch Menschen belästigt und sich nicht gravierend von mir entfernt. Zudem wohnen wir auf dem Land. Die Hunde und die Menschen kennen sich, ein friedliches Nebeneinander.
Ich betrachte gerade ein Frachtschiff, als es hinter mir laut knirscht.
Ich blicke mich um. Ein ultra sportliches Fahrrad nebst stylischem, werbebedruckten Besitzers.
Wieso der wohl an seinem augenscheinlich hochwertigem, nagelneuen Vehikel keine Klingel hat, überlege ich.
Er fühlt sich ausgebremst. Natürlich ich vergaß, was hatte ich hier auch zu suchen.
Während er kostbare Zeit verliert, indem er mich anmault, versuche ich nicht alle privaten Details, die seine hautengen Tour-de-France Klamotten enthüllen, zu erspähen.
Fw = ρ * cw * A * v² / 2 , damit könnte er sicher den Verlust an Geschwindigkeit berechnen, den es einbrächte, wenn er wenigstens einen Slip darunter trüge, sinniere ich vor mich hin, solange er weiterschimpft.
Mir wird das jetzt zu doof.
„Zieh dir erstmal etwas vernünftiges an, bevor du mit mir redest!“
Er verstummt, ich spaziere weiter.
Kurz darauf knirscht es wieder.
Ich höre ihn erneut schimpfen. Eine junge Mutter ist mit Kinderwagen und Kleinkind in seine Rennbahn geraten. Fussgänger auf einem Weg, der kein Radweg ist.
Kann man schon mal ausrasten.
Sie schmeißt ihm für mich unverständliches an den behelmten Schädel und signalisiert mir mit einer Handbewegung vor dem Kopf, was sie von unserem Wanderweg Eddy Merckx hält.
Zwei Gedanken schwirren mir durch den Kopf;
ist diese funktionale, nach stickiger Turnhalle müffelnde Kleidung zu eng, um genug Sauerstoff und Blut ans Hirn zu lassen?
Wenn es das höchste für diesen beschrifteten Zeitgenossen ist, mit dem Fahrrad 65km/h zu fahren, wieso sucht er sich dafür keine Fahrradwege oder Straßen aus?
Ich stelle mir noch einen Cabrio Fahrer vor, der im Formel Eins Overall und Helm in seinem Sportwagen thront, kichere ein wenig vor mich hin und genieße den Blick aufs Wasser.
Für die Formel übernehme ich keine Gewähr. Der Physikunterricht ist eine Weile her.

 

Wozu braucht man Wanderparkplätze

Ich liebe die freie Fläche und die Einsamkeit im Wald.
Das Glück nahe am Wald zu wohnen, hat nicht jeder und so gibt es an der Hauptstrasse einen Wanderparkplatz. Ich vermute, den hat man angelegt, damit man von dort losläuft.
Aber wie so oft im Leben, kann man sich auch täuschen.
Die Strecke geht leicht bergauf, an einem Bauernhof vorbei, bis man ein erholsames Waldstück erreicht. 10 Minuten Weg vom Parkplatz aus sind das.
Unzumutbar, Nature-Drive-Through ist die Devise. Zu was hat man denn eine metallene Gehhilfe.
Ich hole also meine Hunde zu mir, während ein Corsa mit kläffenden Gassi-Anwärtern überholen möchte. Frauchen wird kurz darauf den Feldweg abdichten, durch den der verärgerte Imker zu seinen Bienen will.
Meine beiden Jungs schauen entnervt, als ich sie kurz darauf wieder zu mir rufe.
Diesmal ist es ein „beSUVter“ Hausfrauen Panzer, der stinkend Vorbeifahrt begehrt.
Schick sind die zwei Modehündchen, Frauchen auch.
Konzentriert lugt sie durch ihre Designerbrille.
Ich beobachte sie beim Rangieren. Nach einigen Versuchen findet sie einen Platz unter Bäumen, welche sich vor Lachen biegen, also wenn sie könnten.
Sie stöckelt zur Wiese, die Hunde unter dem Arm, läßt sie ihr Geschäft verrichten, um sie nach wenigen Minuten wieder hochzunehmen.
Das war aber mal ein schönes Erlebnis für die beiden, denke ich.
Von hinten kommt schon der Nächste, während von oben die erfolgreichen Gassigänger die Luft Richtung Heimat verpesten.
Den Sinn von Wanderparkplätzen und Durchfahrt- verboten-Schildern mag mir heute niemand mehr erklären.
Man könnte das alles glatt weg lassen.
Ich nehme mir vor, die Gemeinde über das von mir entdeckte Sparpotenzial zu informieren.
Aber nicht heute, das Wetter ist schön, ich möchte laufen.