Umwelt

Pflegefall Mount Everest

Selten hat mich eine Dokumentation so bewegt wie:
„Death Zone; Cleaning Mount Everest“

Nicht, dass mir das Problem neu wäre, doch das gefährliche Engagement einheimischer Träger hat mein Herz berührt.
Sie riskieren den eigenen Tod, um an ihrem heiligen Berg, ihrer Mutter wie sie ihn nennen, für Ordnung zu sorgen.
Natürlich ist der „Freizeitpark“ Mount Everest eine existenzielle Einnahmequelle der Region. Für mich scheint es der Grund zu sein, warum Gesetze, die die Bergung Verstorbener und die Entsorgung des Mülls regeln, nicht konsequent durchgesetzt werden.

Mount Everest und seine Plagen

Der Berg erstickt am Müll, Sauerstoffflaschen, Plastikverpackungen, Gaskartuschen, Seile und eine Unzahl anderer Bersteigerutensilien, läßt den Berg anmuten wie eine Müllkippe. Mehrere hundert Kilo Exkremente, obwohl es durchaus spezielle Tüten dafür gibt und es im Tal ordentlich entsorgt werden müsste.
Wer dann Eis schmelzen muss um zu trinken, muss gute Nerven haben.
Trotz dem Müllpfand, den jede Expedition zahlen muss, bleiben Tonnen von Müll am Berg.
Als ich die Bilder sah wurde mir elend. Um was geht es den Bergsteigern?
Treibt sie nur das Gipfelfieber? Nehmen sie die Schönheit der Natur und dieser einzigartigen Bergwelt nicht wahr? Geht es rein um das Ziel, das Foto am Gipfel, das Schulterklopfen?
Was ist mit den Veranstaltern?
Sie tragen nicht nur die Verantwortung für die Touristen, die sie dank genügend Geld auf den Gipfel schleppen, sondern sollten sich auch dem Berg, ihrem Kapital, verpflichtet fühlen.
Sind das Menschen, die die Natur lieben, diesen Ausblick, die Höhe, das Licht und die Farben des Eises?
Ist es der persönliche Erfolg oder der reine Konsum, ein weiterer Haken auf der To-Do -Was-Ich-Alles-Geschafft-Habe Liste?

Der  Mount Everest ist von der Klima Erwärmung nicht weniger betroffen, wie andere unersetzliche Landschaften dieser Erde.
Was passiert, wenn dieser Trinkwasserspeicher all sein verseuchtes Wasser in das Tal entläßt, möchte ich mir nicht vorstellen und frage mich, wie die Einheimischen das Wasser wiederaufbereiten können.

Die Göttin und die Leichen

„Green Boots“ ist der letzte, makabere Wegweiser vor dem Gipfel. Er ist im eisigen Schlaf gefangen, der ihn unter einem Felsvorsprung gefangen nahm.
„Green Boots“, seine Neon grünen Stiefel, seine Identität, seine reduzierte Persönlichkeit.
Wieviele tote Bergsteiger tatsächlich noch an den Routen liegen, vermag keiner zu sagen.
Ebenso wenig, was ein Mensch, der sich Richtung Gipfel quält, wohl bei dem Anblick empfindet. Manche sind mit Nationalflaggen bedeckt, manche liegen und sitzen unverändert und herzzerreißend einsam, als würden sie nur kurz rasten.
Der Everest ist kein Spielplatz, er gewährt keine Gnade. Man hat ihn zu einer Leichenhalle gemacht.
Wer das schon für einen unerträglichen Anblick hält, wird bei den Leichenteilen, die sich an den Rändern der Lager und auf dem Berg verteilt haben, kaum weniger Abscheu empfinden. Träger berichten, es mache ihnen Angst und wenn man die Bilder sieht, kann man das sehr gut verstehen.
Hinter all diesen abgerissenen Körperteilen steht ein Mensch, ein Bruder, ein Ehemann, Vater, Mutter, Schwester.

Moral am Berg

Im Mai 2016 entbrannte eine Kontroverse, in die sich der Erstbesteiger des Mount Everest, Edmund Hillary, entrüstet einmischte.
Der Bergsteiger David Sharp kam beim Abstieg in ernsthafte Schwierigkeiten.
Angeblich kamen bis zu 40 Gipfelstürmer an ihm vorbei, ohne einen Versuch zu unternehmen ihm zu helfen.

“ I think the whole attitude towards climbing Mt Everest has become rather horrifying.
The people just want to get to the top. They dont´t give a damn for anybody else who may be in distress and it doesn´t impress me at all that they leave someone lying under a rock to die“, wütete Hillary.

Hat sich die Moral, das Ehrgefühl, der Zusammenhalt unter den Bergsteigern geändert?
Fühlt man nicht mehr mit?
Drängt der Wille den Gipfel zu erreichen alle Menschlichkeit in den Hintergrund?
Oder ist es die Höhe, in der sonst nur Flugzeuge fliegen?
Die Erschöpfung?
Nur etwa die Hälfte derer, die den Gipfel ersteigen sind dazu ausgebildet und in der Lage.
Die anderen zahlen immense Summen, gefährden angseilt sich und andere.
Was darf man erwarten?

Death Zone

Dieser wunderschöne Berg, der mich so fasziniert , ist doch nur ein Mahnmal stellvertretend für all die anderen Berge, Seen, Wälder und Meere.
Der Mensch ist auf dem direkten Weg, den ganzen Planeten in eine „Death Zone“ zu verwandeln, wie es in der Dokumentation so treffend heißt. Wir, die wir auf unsere Natur angewiesen sind, zerstören, was uns am Leben hält.
Mt Everest ist überall.
Ich muss nicht in den Himalaja fahren, um der Welt zu helfen.

Wer sich mit dem Thema beschäftigt, fragt sich ernsthaft, ob man heute noch stolz sein kann, diesen Berg zu besteigen.

Möge der Kommerz Wege zu verträglichem,  respektvollen Umgang mit Berg und Menschen finden.
Mögen die Seelen derer, die ihr Leben für ihren Traum gaben, ihren Frieden finden.

Death Zone, Cleaning Mount Everest Dokumentation (2018 USA)
Sehr sehenswert!
Not am Mount Everest, National Geographics, ausführlicher Bericht
Foto: Pixabay

 

 

 

 

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