Wandern

Eine Woche Erzgebirge

Nachdem das Internet im Erzgebirge nur im Schneckentempo zu erreichen war, nun mein Bericht.

Unser Urlaub begann erstmal mit einem Festfahren auf einem Waldweg, da weder Navi noch Karte den Weg zu unserem Ferienhaus fanden. Das Auto voller Matsch, die Beine zerkratzt und die Nerven strapaziert kamen wir doch frei und machten uns vorsichtshalber zu Fuß auf den Weg, die Unterkunft zu suchen.
Ja, eine ruhige, einsame Gegend mit Schlaglöchern, in denen man wenden könnte.
Fasziniert lausche ich dem Wind in den Tannen, höre die vielen Vögel zwitschern auf der Suche nach einer Braut. Am Abend sehe ich tausende Sternen und sogar die Milchstrasse schwach leuchten. Das Licht der Städte fehlt und ich erlebe die Nacht wieder neu.
Der Marder im Dach lässt die Hunde nachts knurren und ich schmunzele mich in den Schlaf.

Drachenkopf

Unsere erste Wanderung führt uns auf den Drachenkopf. Was mit lockeren 11 km angegeben ist, wird eine Gewalttour über unzählige, dem Schneebruch zum Opfer gefallene Bäume und knietiefe Schneefelder, die am Boden schon mit Tauwasser unterspült sind. Wir wuchten uns über all die mächtigen Stämme stundenlang steil bergauf. Sinken und brechen immer wieder ein und sind einigermaßen fertig, als wir uns in das Gipfelbuch eintragen.
Weitblick gibt es keinen, die Bäume stehen im Weg, aber wir sind stolz es bis hier geschafft zu haben. Harz und Dreck klebt an den Hosen und wir wandern bergab.
Eine erste Eierschecke rettet uns im Tal, bevor der Rückweg beweist, wie anstrengend das letzte Teilstück nochmals ist.
Etwas später im Jahr ist der Weg sicherlich ein wunderschöner Wanderweg, vorbei an etlichen kleinen Bergflüsschen und Felsen.
Wir sind jedenfalls erstmal geschafft. Am Schluß waren es 14 Kilometer und 32 Stockwerke, wenns weiter nichts ist.

Bastei

Auf unserem Wunschzettel stand die Bastei im Sächsischen Elbsandsteingebirge ganz oben. So fahren wir also Richtung Rathen, bewundern die einsame Landschaft, bevor wir den lebhaften Parkplatz erreichen. Wir sind einigermaßen erleichtert, dort im Frühling zu sein und können uns lebhaft vorstellen, wie es hier in den Hauptreisemonaten zugeht.
Wir schlendern zur Elbfähre Rathen und setzen über. Ein Bonbon der Strecke, wie ich finde und mit zwei Euro für Hin- und Zurückfahrt erschwinglich.
Es geht quer durch den kleinen Ort und dann steil hinauf, unzählige Stufen, die aber durch immer wiederkehrende Aussichtspunkte versüßt werden.
Durchgeschwitzt erreichen wir die Basteibrücke, genießen den Blick auf riesige Sandsteinfelsen und auf die Elbe mit ihren Raddampfern.
Imbiss und Getränke sind relativ teuer, aber ein kaltes Getränk und ein Snack müssen sein. Das haben wir uns verdient.
Wir wandern Richtung Schwedenlöcher, dem reizvollen Weg zurück ins Tal.
Wo heute unsere Hunde fröhlich Spalten und Überhänge erkunden, versteckten sich 1639 Bauern mit ihren Familien und allem Hab und Gut, das sie tragen konnten, vor den schwedischen Soldaten, die ihr Dorf Rathewalde zerstört hatten.
Es geht steil bergab, durch Schluchten und enge Spalten, ein Weg der Spaß macht.
Vorbei an einem angelegten See, auf dem man im Sommer Boot fahren kann und ab zurück auf die kleine Fähre.
Wir sind 8 Kilometer gelaufen und haben uns 50 Stockwerke rauf und runter bewegt.

Verlaufen an der Talsperre Rauschenbach

In der festen Absicht die mittlerweile müden Hunde zu entlasten, suchen wir einen Weg an der Talsperre, doch es gibt keinen. Wir laufen also Richtung Wald und rechnen mit einem netten Rundweg. Allerdings finden wir uns auf einem gleichermaßen von umgestürzten Bäumen blockierten Weg an der tschechischen Grenze wieder, den wir hinauf asten, wieder über Stämme klettern und Schmelzwasserbächen ausweichen.
Es wird wieder eine lustige Schinderei und wie schon oft im Erzgebirge findet uns selten das GPS.
Zusammen suchen wir einen Weg zurück nach Niederwernsdorf, vom Schneematsch sind die Schuhe nass und dreckig und wir verschieben unseren Seiffen Besuch auf den nächsten Tag.
Jeder Wanderweg wird zu dieser Jahreszeit zum Abenteuer und wir tun effektives für unsere Kondition, was sich tatsächlich erstmal in einem Muskelkater bemerkbar macht.

Erzgebirge

Wir haben das Erzgebirge als fröhliches, ursprüngliches Gebiet erlebt.
Mit Hunden nur zu empfehlen, da dort mit den Vierbeinern wesentlich entspannter umgegangen wird. Ferienwohnungen mit Hund sind leicht zu finden und Begegnungen mit anderen Wanderern sind unproblematisch. Meist schallte uns schon ein Ruf entgegen: „Lassen Sie sie nur, wir haben selber Hunde“.
Das Leben ist, bis auf die Touristen Hot Spots, preiswert.
Es gibt unendlich viele Wanderwege, gut angelegt, wenn der Schneebruch erst beseitigt ist, aber bei der Menge wird das wohl dauern.
Die Ortschaften sind typisch und ich bin dankbar, nicht auf eine künstliche gestaltete Umgebung, wie leider oft im Allgäu zum Beispiel, zu treffen.
Die Menschen sind freundlich und offen. Ich kann einen Aufenthalt nur empfehlen.

Allerdings sollte man wirklich ein Faible für steile Berge und ewiges Rauf und Runter haben.
Ein herrlicher Platz um zu Entspannen und dem Alltag zu entfliehen.