Mogrians Sonntagsgedanken

Mogrians Sonntagsgedanke

Ach, mache ich doch jeden Sonntag einen Gedanken.

Dieser ist etwas deftiger.
Francois Villon, geboren 1431 in der Nähe von Paris, mittelalterlicher Dichter und Halunke. Ich kann seine Zeit fast greifen, wenn ich seine Verse lese.
Francois war ein Lebemann, nutze jede Chance, kam des öfteren mit den Gesetzen über Kreuz, war dem Galgen machmal näher als dem Leben.
Er vagabundierte durch Frankreich, wurde letztendlich mitten im kalten Winter vogelfrei gesprochen. Danach verlor er sich im Dunkel der Zeit.

Die Ballade der Lästerzungen

In Kalk, noch ungelöscht, in Eisenbrei,
in Salz, Salpeter, Phosphorgluten,
in dem Urin von rossigen Eselsstuten,
In Schlangengift und Altweiberspei,
in Rattenschiß und Wasser aus den Badewannen,
im Saft von einem Krötenbauch und Drachenblut,
in Wolfsmilch und dem sauren Rest der Rotweinkannen,
in Ochsengalle und Latrinenflut:
    In diesem Saft soll man die Lästerzungen schmoren.

Deftig und ungeheuer zutreffend.
Oma sagte immer;
hast du nichts vernünftiges zu sagen, halt den Mund.

Gerne wird gelästert, der Mund sich zerissen, Gerüchte verbreitet und Märchen erzählt.
Ob man Mitmenschen verunglimpft, ihnen schadet oder sie verletzt, muss hinter die reißende, giftbittere Sensation zurücktreten.

Dabei geht es doch nur um eins;
mich erhöhen und moralisch über den anderen erheben.
Mich wichtig und interessant machen auf Kosten anderer.

Und letzten Endes sagt es doch viel mehr über mich aus, denn über den Verunglimpften.

Eine schöne Woche wünscht euch Mogrian

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.