Alte Bräuche und Weisheiten · Mogrians Allerlei

Götter, Glaube, Aberglaube

Heute möchte ich eine Frage beantworten, die mich diese Woche erreicht hat.

Ich wurde gefragt, wie ich es mit der Religion halte, da ich ja auch über alte Bräuche berichte, Karten lege ( ich bin kein Wahrsager, das ist ein großer Unterschied) und mich intensiv mit den Kulturen der Eisenzeit, also unser aller Ahnen beschäftige.

“Tue was du willst, aber füge niemandem Schaden zu”, steht im Kodex der Wicca.
Und ähnlich halte ich es auch mit Religion und Glaube.

 

Religion

Für mich ist Religion immer etwas menschengemachtes. Auch wenn man daran glauben mag, dass die Überlieferungen von Gott oder Göttern diktiert wurden, man weiß es nicht.
Das ist der Kern des Glaubens.
So gibt es für mich auch keine Veranlassung mich an etwas zu binden, nur weil es sich in den letzten 2000 Jahren in Europa verbreitet hat, teils unter zweifelhaften Umständen.
Mitunter war es Gewalt, aber auch wirtschaftliche und politische Gründe ließen die Menschen einknicken.
Die Verbreitung nahm den Menschen vieles ihrer eigenen Kultur, ihrer Traditionen und Weisheiten.
Gerade die sind aber das, was ein Volk zusammenhält, ihr Wesen ausmacht, es ist in ihnen angelegt. Wer diese Einzigartigkeit zerstört, nimmt der Welt die wunderbare Vielfalt der Philosophien, die geprägt sind von individuellen Erfahrungen, den Gegebenheiten und Denkweisen.
Irland z.B. ließ sich nicht verbiegen und verquickte dann kurzerhand den christlichen Glauben mit den heidnischen Bräuchen und die Klöster machten ohne mit der Wimper zu zucken mit.
Religion hat für mich immer den Geschmack des kleinhaltens.
Ich bekomme keine Luft.
Alle, in sich geschlossenen Religionen, die sich über andere erheben, mit Sünde und Sühne die Schäfchen unter der Fuchtel halten und mit starren Dogmen arbeiten, sind mir nicht geheuer.

 

Glaube

Anders der Glaube, der sich an die jeweiligen Götter der eigenen Wahl oder auch zu Philosophien wendet.
Der Raum, eine Beziehung aufzubauen ist offen und weit.
Der Mensch reguliert nicht, regelt nicht, missioniert nicht.
Ganz eigene Erfahrungen, Selbstverantwortung und Ethik, das Mitgefühl und der Respekt gegenüber den Mitmenschen, der Natur und den Mitgeschöpfen nährt sich aus der Quelle des ewigen Wissens und des innersten Kerns.
Entwicklung findet nicht in einer Schublade, sondern in der unendlichen Weite aller Mythen, Weisheiten und Weltanschauungen statt.
Umso vielfältiger, aber auch umso mühevoller und tiefer ist die Erkenntnis.
Gerne gibt man Erfahrungen und Wissen weiter, nur unter der Prämisse das Weitergegebene selbst zu prüfen und in sich zu fühlen, ob es mit einem schwingt.
So unterschiedlich die Menschenseele, wenn auch in vielen Sehnsüchten gleich, so individuell ist der Wunsch nach Einheit und Gemeinschaft mit einer höheren Macht oder Energie.
Nichts davon ist nicht wertvoll, Agnostik und Atheismus haben die gleiche Daseinberichtigung, wie der Christ, der Moslem, der Hindu, das Naturvolk im Amazonas und so weiter.
Vorausgesetzt er erhebt seine Glaubensrichtung nicht zum Maßstab aller Dinge.
Im Glauben gibt es kein richtig oder falsch. Es ist eine bunte Blumenwiese, deren Kostbarkeiten jeder anders wahrnimmt.
Und das darf und muss auch so sein.
Um zu glauben, muss man sich keiner Religion anschließen.

 

Aberglaube

Wie wollen wir das definieren?
Die schwarze Katze? Amulette? Glücksbringer?
Frauen auf Segelschiffen?

Ich finde alte Bräuche und was man so leichtfertig Aberglaube nennt, sympathisch und oft erfrischend urig.
Wer hat denn eigentlich festgelegt, was der “richtige” Glaube ist und was nicht.
Was soll ich von einer monotheistischen Religion denken, deren Heilige man anuft, wenn man ein Auto fährt oder den Schlüssel verschusselt hat?
Ach ich Schelm, das ist natürlich total korrekt, wie komm ich darauf.

Menschen sind eben so. Sie sehen der Prüfung entspannter entgegen, wenn der kleine Stoffbär in der Jackentasche flätzt.
Meine Oma hat zwischen Weihnachten und Neujahr nie Wäsche aufgehängt, wem hat das denn geschadet?
Um die Geisterchen (quasi die Energien im Haus, siehe Heinzelmännchen) milde zu stimmen, stellen auch heute noch Menschen kleine Geschenke in der Nacht von Sonntag zu Montag neben den Herd.
Nicht unter einer Leiter durchlaufen, ist nüchtern betrachtet, auch keine schlechte Idee.

Ganz ehrlich, welcher Zacken bricht aus der Krone, wenn man diese Dinge so stehen lässt wie sie eben sind?
Mir wurde mal entgegenschalmeit, das wäre alles altmodisch.
Wie ich eine Religion, die in der zweiten Hälfte ihres Daseins nun auch schon über zweitausend Jahre auf dem Buckel hat, modern bezeichnen kann, ach vergessen wir das.
Und wie ich keinen Glauben, keine Religion beweisen kann, so kann ich auch nicht beweisen, dass Aberglaube etwas für rückständige, verwirrte, wenn auch drollige Zeitgenossen ist.

Glaube ist eben keine Wissenschaft.
Nur in einem sind sie gemein, beide werfen mehr Fragen auf, denn sie beantworten können. Leben wir damit!

Natürlich ist das meine ganz eigenen Meinung dazu.