Mogrians Sonntagsgedanken

Mogrians Sonntagsgedanken

Die Woche war lang und voller verschiedener Aufgaben.
Mein Bass wollte Aufmerksamkeit, mein Garten schon mal auf den Herbst vorbereitet werden, eine Webseite drängte zur Vervollständigung, ein Treffen mit ehemaligen Kollegen und sonst noch manch Schabernack.
Einen Gedanken zu fassen kriegen, der mich diese Woche bewegt hat, war nicht leicht.

Auf der Welt geht es drunter und drüber.
Politiker aller Länder scheinen völlig von Sinnen und ich überlegte kurz, ob man sie nicht alle austauschen sollte und sie mit Menschen ersetzen, die noch über einen Hang zu Kooperation, Mitgefühl, gesundem Menschenverstand, Unbestechlichkeit und Intelligenz verfügen.
Da fällt mir aber spontan keiner ein und gewählt wird eh der, der am lautesten trommelt. Ob der richtig trommelt, spielt eine untergeordnete Rolle.
Da schreibe ich lieber über Noten.

Wer sich durch die Musiktheorie geackert hat- jetzt kommts- versteht sich mit allen Musikern auf dieser Welt. MIT ALLEN!

Ist das nicht großartig, ob Japaner, Amerikaner, Brasilianer, wir sehen auf das Notenblatt und können gemeinsam einen Song spielen.
Ein System außerhalb jeder Ländersprache, jeder Gestik, jedes Mißverständnisses.
Alles ist erkenntlich. Tempo, Rhythmus, Tonhöhe, Pausen, wunderbar geregelt.

Wir Menschen schaffen das nicht.
Wir verstehen oft nicht mal das Gegenüber, dass doch unsere Sprache spricht.
Falscher Film, anderer Planet, anderes Geschlecht, viele Ausreden.
Durch unsere Prägung hören wir raus, was wir wollen.
Verschließen uns vor anderen Möglichkeiten, Blickwinkeln.
Bewachen unseren Tellerrand, wie Gollum seinen Ring.
Wenn Musiker das machen würden, wäre der Konzertsaal leer.

Was ist der Unterschied?
Wir üben jahrelang mit einer Menge Disziplin, oft über den Schmerz hinaus.
(Gitarrensaiten fühlen sich anfänglich an wie Stacheldraht z.B.)
Wir nutzten jede Chance von anderen Musikern zu lernen, uns inspirieren zu lassen.
Viele Musiker spielen mehrere Instrumente, um Musik besser zu verstehen.
Wir haben ein gemeinsames Ziel, Musik durch uns lebendig werden zu lassen, während die Beschäftigung mit dem Stück uns verbindet.
Wir brennen dafür, wir leben Musik, wir lieben unsere Instrumente.
Wir finden beim Spielen Freude an neuen Stilrichtungen, entdecken Schätze in Stücken, die wir uns nie auf CD kaufen würden.
Wir tun das, um anderen eine Freude zu machen.
Musiker leben Gemeinschaft.

Ein Gleichnis für unsere Menschlichkeit.
Denkt das mal um, bei dem Wetter ist ja genug Zeit.

Ich wünsche allen eine “bassige” Woche, Mogrian