Die Große Mutter und die Grüne Hexe · Mogrians Sonntagsgedanken

Fridays-For-Future

Heute mal am Montag, gestern habe ich mir Zeit für die Familie genommen.

Ich hatte ein ganz anderes Thema für diese Woche geplant.
Das schreibe ich eventuell diesen Sonntag.
Also, gestern erreichte meinen Mann einer dieser langweiligen Kettenbriefe auf WhatsApp.
Wäre man der gleichen Meinung und so weiter, solle man ihn weiterschicken.
Ich las ihn durch.

Dort stand geschrieben, dass wir (alle älteren) an der Klimakatastrophe kaum Schuld sein könnten.
Wir hätten Kleidung aufgetragen, repariert, weiterverschenkt.
Selbst eingekocht, weder Handy noch endlos PC gedaddelt.
Essen nicht weggeschmissen.
Aber die Jungen würden doch mit Handy auf der Straße stehen und mit dem SUV in die Schule gefahren. Und die werfen uns nun vor, an der Misere schuld zu sein. Frechheit!
Der schriftgewordene Blödsinn war noch um einiges länger.
Leute, bevor ihr so einen geistigen Dünnpfiff teilt, DENKT!

Ich bin Jahrgang ´65.
Dann erzähle ich mal aus meiner Jugend.

Ja, wir haben nichts weggeschmissen. Kleidung, Fahrräder, Spielzeug ging immer wieder repariert durch die Generationen.
Weil erstens Familien oft mehrere Kinder hatten und das Geld immer knapp war.
Zweitens gab es diesen billigen Müll aus China noch nicht in diesem Ausmaß.
Spielzeug kostete auch einiges und so wurde gebastelt und repariert.

Wir schauten nicht endlos in die Röhre, aufs Handy oder den PC.
Weil der erste Fernseher unserer Familie noch den Großen gehörte und sie bestimmten, wann wir Kinder schauen durften. Es gab nur drei Programme und einen Sendeschluß.
Die erste Sendung am Tag war die Tagesschau, Sportschau, mal ein Krimi.
Meist war er einfach aus.
Handy und PC gab es nicht.

Telefonieren war teuer, ja, jede Minute kostete. Das Ding hing mit einer Strippe an einer unattraktiven Stelle im Haus, da konnte man sich nicht mal setzen.
Und wieso auch? Viele meiner Freundinnen hatten noch gar kein Telefon in der Familie.

Nein, wir sind tatsächlich selten Auto gefahren. Wir besaßen ja auch keins.
Opa hatte als einziger einen Führerschein, aber durch eine chronische Erkrankung hätte er nicht fahren können.
Niemand sah die Veranlassung einen Schein zu machen.
Fahrunterricht war teuer, ein Auto sowieso.
Unser erstes Auto kam, als ich ca. 12 Jahre alt war.

Und so war es mit allem. Es war teuer, die Familie musste versorgt werden und das hatte Vorrang. Die meisten Dinge, die in dem Kettenbrief genannt sind, gab es in meiner Jugend noch nicht. Also hätten wir es auch nicht benutzen können, selbst wenn wir gewollt hätten.
Was es gab, war für normale Familien oft zu teuer.
Die meisten Kinder bekamen kein, manche ein paar Groschen Taschengeld.
Welche Möglichkeiten hätten wir also gehabt, in so großem Stil rumzusauen?

So, und nun der Clou.
Als es anfing, dass viele Dinge bezahlbar wurden, man mehr verdiente, was passierte da?
Jede Familie schaute, dass sie sich so schnell wie nur eben möglich ein Telefon, einen besseren Fernseher, ein Auto, einen ach so bequemen Trockner, eine Geschirrspülmaschine, und was sonst noch für Mist, anschaffte.
Plötzlich konnte man nach Italien in den Urlaub, später sogar fliegen.
Und alles war ja nun auch so sauber und ordentlich in Plastik verpackt und viel billiger.
Da wurde gebaut, angeschafft, gereist, geflogen und mit dem Nachbarn um die Wette Autos gekauft.
Farbe, Putzmittel, in allem wurde geschwelgt. Deren Inhaltsstoffe? Wen kümmerts?
Discounter entstanden, die Tante Emma Läden verschwanden.
Endlich, ja endlich konnte man an dem allumfassenden Konsum teilnehmen.
Nichts, rein gar nichts taten wir damals der Umwelt zu liebe, nein, wir nahmen dankbar jede Neuerung an und kauften uns um den Verstand.
Entsorgten Dinge jenseits von Gut und Böse.
Der Garten war der reinste Chemiebaukasten. Alles wurde großzügig bespritzt mit praktischen Giftpumpen, die weder unerwünschte Pflanzen, Insekten oder reines Regenwassser übrig ließen.
Und diese Menschen erzogen wiederum die Kinder, also die Eltern, deren Kinder heute für unsere Zukunft auf der Straße stehen.
Daraus lernen wir, dass es keine zwingende Gesetzmäßigkeiten gibt.
Zum großen Glück scheren sich viele Junge Menschen heute nicht mehr um das Gebaren der „Ich-Habe-Also-Bin-Ich Generation“ der ewig Gestrigen.

Wie können 15, 16, 17 Jahre alte Menschen an der globalen Verschmutzung, der Klimaerwärmung schuld sein?
Wie kann ich ihnen vorwerfen ein Handy und einen PC zu haben, welche erstens die Alten erfunden haben und die zweitens heute ordentlich daran verdienen?
Schulen benutzen Tablets, manch Lehrer oder Ausbilder kommuniziert über WhatsApp.
Sollen die jungen Leute da auf Buschtrommeln umsteigen?
Wer genau fährt Sohnemann denn nun mit dem SUV zur Schule?
Die ach so sparsamen Eltern, nehme ich an, die angeblich so umweltbewusst aufgewachsen sind.
Wer bezahlt denn die Führerscheine, das erste Auto, die Handys und Computerspiele, letzteres erschreckenderweise oft schon vor dem Kindergarten?
Wer erzäht denn seinen Kindern, nimm lieber das Auto, Fahrradfahren ist so gefährlich?
Wer nimmt immer das Auto, das Elterntaxi, sogar für Wege, die ohne weiteres zu Fuss zu bewerkstelligen sind?

Auch wenn vieles an der Fridays-For-Future Bewegung noch unausgegoren und chaotisch wirkt, ich bin dankbar um jeden jungen Menschen, der sich für diese Welt und ihre Zukunft einsetzt.
Den Mist haben die Alten gebaut, und es wäre eine schamlose Lüge, das zu bestreiten.
Und noch schlimmer finde ich ihre Arroganz, die Jungen nun zu belächeln oder gar zu verurteilen.

Jemanden klein machen, verunglimpfen und Wirtshausparolen zum Besten geben, ist ein Weg, der kein Denken erfordert.
Auch die Verunsicherung über den angeblichen Verzicht, der uns allen „droht“, wenn wir uns umweltbewußsster benehmen, geht auf Faulheit, Unwissen und Ingnoranz zurück.
Geht es wirklich darum, nichts mehr zu gelten, wenn der Hintern nicht in einem SUV trohnt?
Was, wenn wir nichts tun und der geliebte SUV eines Tages weggespült als Korallenriff eine neue Aufgabe findet oder traurig unter einem, vom Sturm gefällten Baum die letzte Ruhe antritt?
Vor was genau habt ihr Verfasser denn Angst?
Der Gedanke, dass ihr Kinder meiner Generation seid, läßt mir die Fremd-Schames-Röte in das ungläubige Antlitz steigen.

Es ist ein großes Wunder, dass diese Generation junge Menschen hervor gebracht hat, die für uns alle auf die Straße gehen.
Wir sollten uns schämen und an ihrer Seite stehen!

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s