Mogrians Sonntagsgedanken

Hundeerziehung und ich

Nao ist eineinhalb Jahre alt und mit einigen Problemen bei uns eingezogen.
Leinenführigeit, Hundebegegnungen, Angst vor Fahrrädern, Joggern und Männern.
Dazu noch die sturen Akita Inu Wesenszüge.
Doch mein Mann und ich sind uns einig, er hat eine Chance verdient.
Sein Wesen ist sanft und freundlich, er schenkt uns sein Vertrauen und seine Liebe.

Geduld, Einfühlungsvermögen, Wissen und Mut

Was auch immer wir lesen oder geraten bekommen, wir mussten lernen, dass wir erst nach dem fragen müssen, was Nao damit anfangen kann.
Es ist ein endloses Probieren aller Möglichkeiten. Wir müssen verstehen, was er uns sagen will, was er verstehen kann und was ihm gar nicht gut tut.
Die Pubertät beutelt ihn, die Erziehung fehlt und das Fehlverhalten ist „ihm beigebracht“ worden.
Nun ist es an uns, mit viel Geduld und Liebe seine Sprache zu erkunden.

Über jeden kleinen Erfolg sind wir glücklich. Und eins ist sicher, wir lernen nicht nur Nao und seine Möglichkeiten kennen, sondern auch ganz viel über uns.
Da geht nichts per Knopfdruck, nichts wie es soll und in den Büchern steht.
Wir erleben gute Tage und völlige Rückschläge.
Wir schränken uns ein, denken, lesen und investieren Geld, unendlich viel Zeit und leider leidet auch das Nervenkostüm.
Konsequenz ist anstregend, ruhig bleiben obwohl „ein Sturm tobt“ auch.
Vormals entspannende Spaziergänge werden zur Höchstleistung.
35 Kilo außer Rand und Band, das kann einem schon die Gelenke ruinieren.
Wir haben gelernt, wo Wild besonders häufig unvermittelt aus dem Unterholz hüpft, scannen permanent die Gegend und sind mittlerweile auf alles gefasst.
Die Tasche mit verschiedenen Leinen, einem Maulkorb (zur Not), Leckerli und Spielsachen, hängt seither schwer über der Schultern.
Wir wurden bescheiden. Erfolg ist keine Rakete, sondern mäandert hoch und runter und vor sich hin, nie gänzlich in Richtung „alles wird gut“.
Die Summe aller Nenner ist;
Nao hat es nicht gelernt, mit einem Menschen zusammenzuarbeiten.
Er tut nichts, um uns zu ärgern.
Er braucht seine Zeit, immer wiederkehrende Rituale, Sicherheit.
Weder mit Eloquenz, noch mit Strafen kann man ihm helfen, sondern nur mit der ganz individuellen Art, die es braucht, ihn zu erreichen.
Zeitpläne und Wünsche lösen sich da ganz schnell in Luft auf.

Baustelle, am Hund und an uns.

Er lehrt uns artgerechten Umgang. Wollen wir wirklich etwas erreichen, müssen wir uns in seine Art der Kommunikation denken, müssen wir seine Möglichkeiten erkennen und uns darauf einstellen.
Nao ist und bleibt ein Hund.

Er lehrt uns, nie etwas vorauszusetzen.
Er lehrt uns, beobachten und umdenken.
Er lehrt uns, mit dem Herzen zu sehen und zu erkennen.
Er lehrt uns, Geduld zu haben und uns zurückzunehmen.

Wer so eine Ochsentour durchmacht, hinterfragt auch alle anderen Baustellen und Beziehungen im Leben.
Könnte eine einfühlsamere Begegnung hilfreich sein?
Wähle ich die falschen Worte?
Sollte ich nicht geduldiger sein?
Wie kann ich mein Gegenüber erreichen?

Und über all den Überlegungen sollte man einen Gedanken nie aus den Augen verlieren;
Du bist es mir wert und wir schaffen das!

Euch allen eine wunderschöne Herbstwoche, eure Mogrian

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