Mogrians Sonntagsgedanken

Von Krieg und Frieden

Diese Woche hat mich der Anschlag von Halle bewegt, er steht für Unmenschlichkeit ebenso, wie für das Talent des Menschen, sich selbst zu wichtig zu nehmen.
Um was ging es dem Attentäter? Wollte er „berühmt“ werden? Etwas beweisen?
Sein mangelndes Selbstwertgefühl aufblasen, Angst verbreiten, sich vor Gleichgesinnten profilieren? Hat er sich vom Gedankengut der üblichen Verdächtigen anstecken lassen? Wollte er schlicht dazugehören, irgendwo Anerkennung finden?
Wir werden sicher nie die wahren Gründe erfahren, die vielleicht nicht mal ihm selbst bewusst sind.

Schuld an all dem Leid ist der Mensch selbst. Schon immer.
Zu Beginn der Landwirtschaft begannen die Menschen Zäune zu ziehen, ihr Eigentum und die Früchte ihrer Arbeit zu schützen. Bei Jägern und Sammlern wuchs der Neid.
Die Bauern fühlten sich und ihr Eigentum bedroht.
Die anderen sind anders und anders ist schlecht.
Und so kam es, wie es kommen musste. Man gönnte nicht, hatte Angst um das eigene Auskommen und begann die jeweils anderen niederzumetzeln.
Dabei waren die Jäger besser dran, Landwirtschaft war hart und mühevoll und sehr viel abhängiger von den Naturgewalten, denn man war seßhaft und konnte nicht mit leichtem Gepäck einfach weiterziehen.
Sie hätten sich ergänzen können, so wären ein unschlagbares Team gewesen.
Aber bevor man denkt und sich arrangiert, schlägt man allem was sich bewegt lieber die Köpfe ein.
Das war vor 13.000 Jahren. Ein altes Problem und noch nichts dazugelernt.

Auch in meinen Beratungen stelle ich das fest. Leid wo man hinblickt.
Als würden wir uns nur so gefallen. Der eine fühlt sich im Leid wohl, der andere als Krieger und Aggressor, der sich nicht zu schade ist, über Leichen zu gehen.
Man will ja Zufriedenheit und Glück, aber…
Und selbstverständlich sind die anderen an allem Schuld.
Die Politik, Menschen anderen Glaubens, die Eltern, die Umstände, die Ausländer, der Ehepartner, die Nachbarn, das Geld, der Mond, die Hausschuhe, Ausserirdische, die Zeit als solche und was sonst noch als „Sündenbock“ herhalten muss.
Nur eins hört man selten, ICH selbst bin schuld.

Unfrieden, Attentate, Kriege haben schon immer nur zu einem geführt, Leid und Zerstörung.
Dort gibt es keine Gewinner, dort ist es dunkel und schmerzhaft.
Der Schmerz, selbst nichts auf die Reihe zu kriegen, wird nicht leichter, wenn man zerstört.
Die Welt ist weder gerecht, noch das Leben immer rosa Sternenstaub.
Nur der Tod ist gerecht, die Geburt kann einen in unverdienten Reichtum befördern oder in ein Kriegsgebiet mit bitterer Armut und in alles dazwischen.
Willkommen in der Realität. Da stecken wir alle drin.
Besserung bringt nicht, im ewigen Gewaltwahn oder aus Selbstmitleid auf andere loszugehen.
Was genau soll das ändern?

Wir könnten alle zusammenhalten, wir könnten teilen, wir könnten zusammen feiern und weinen.
Wir sind alle Menschen, wo wir auch her sind.
Religion ist geführte Spiritualität, die nicht zur Ausgrenzung anderer führen darf.
Was genauso für politische Ansichten gilt.
Noch nie habe ich erlebt, das durch Gewalt, Rache und Verderben Lebensumstände besser wurden.

Hätte dieser Attentäter so viel Energie in die Gestaltung seines Lebens gesteckt, wie in das Töten und die Gewalt, wäre er so seinem Ziel, vorausgesetzt er hatte eins, näher gekommen.
Ein zutiefst verunsicherter Mann, der sein Heil und seine „Familie“ in destruktiven Kreisen suchte.
Das Internet macht den Zusammenschluss mit Gleichgsinnten einfach.
Für Gräueltaten gibt es Punkte, für Tote und Zerstörung, gleich einem Computerspiel.
Zum Teil ist auch die Gesellschaft schuld, besonders durch das Verleugnen und das konsequente Wegsehen.
Durch immer größer werdende Unterschiede, durch das Vorgaukeln einer Glamour Scheinwelt in den Sozialen Medien.
Abgehängte, verletzte Menschen bleiben zurück, die sich leichter von radikalen Gruppen einfangen lassen.
Menschen wachsen nicht mehr in einem verlässlichen, durch klare Regeln strukturierten Umfeld auf. Aus Zeitmangel spart man an gemeinsamen Erlebnissen, an Anerkennung, am Vermitteln von Werten und Mitgefühl. Vernachlässigung ist nicht immer nur ein „Zu Wenig“, sondern auch die teuren Geschenke, die das Gewissen beruhigen sollen.
Grenzen fallen, es wird geduldet sich auf Kosten anderer zu profilieren, auch wenn man nur im Internet jene anonym niedermacht, die nicht in den eigenen Kram passen.
Grenzen setzen kostet Zeit und Mühe. Lassen wir es lieber laufen.
Großstädte sind zur anoymen Einsamkeit geworden, Dörfer zu Altenheimen und Geisterstädten.
Hilfe braucht man nicht erwarten, man fällt ja eh nicht auf.
Die Gesellschaft trennt in Gutverdiener und den jämmerlichen Rest.
Menschen, deren hartverdientes Geld kaum für eine Wohnung reicht.
Die Arbeiter und Dienstleister sind überlebenswichtig für alle, doch gelten tun sie nichts.
Die Menschheitsgeschichte ist ellenlang, voll Blut, Ungerechtigkeit, Machtmissbrauch und Leid.
Gute Taten haben meist keine Plattform, aber wehe es passiert ein Massaker.
Nachrichten und Zeitungen sind voll damit.
Kein Wunder, dass es attraktiver ist, einen Angriff zu verüben, denn für Taten der Nächstenliebe bekommt man in den Nachrichten selten Sendezeit.
Wer will das sehen?
Gute Taten anderer würden uns schlecht fühlen lassen, bei bösen Taten können wir ja wenigstens den Zeigefinger erheben.

Ich frage mich, warum es bis heute nicht gelungen ist dazuzulernen?
Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass der Mensch in Gemeinschaft leben kann und will.
Und ich bin überzeugt, dass der Mensch gut ist und in Frieden leben will.
Ich sehe Menschen und Gruppen, die heute schon ihr Bestes geben, für gute Chancen und für Menschlichkeit. Die begriffen haben, dass Gegenleistung kein Antrieb für Nächstenliebe ist.
Ich will an die menschliche Rasse glauben.
So werde ich weiter helfen und glauben und hoffen.


Einen schönen Sonntag und eine tolle, sichere Woche wünsche ich euch, Mogrian








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