Alte Bräuche und Weisheiten · Mogrians Sonntagsgedanken

Hubertusnacht 3. November

Heute ist die Hubertusnacht. Ein meist katholischer Brauch, der aber reizende Elemente enthält, die ich mir kurzerhand “geklaut” habe.
Wobei wir uns immer die Freiheit nehmen sollten, unsere Art der Spiritualität selbst zu erkunden und sie für uns einzurichten, ganz nach dem, was uns unser Bauchgefühl mitteilt.
In diesem Bereich haben weder Gurus, noch Kirchenobere etwas zu melden.
Innere Erkenntnis erlangt man nicht durch Diktur von aussen, sondern sie will individuell gelebt werden. Also nur Mut und auf zur Entdeckungsreise.
Bücher und Gelehrte sind für mich eine Landkarte und Inspiration, doch wandern und erkunden überlasse ich niemandem. Was mit mir in Resonanz geht, darf mein Leben bereichern, was nicht darf vorüberziehen.

Jetzt bin ich wieder abgeschweift.
Hubertus (655-727 in etwa) war Jäger und Bischof in Lüttich. Er wird verehrt als Schutzpatron der Jäger, Förster, Waldarbeiter und Schützengilden, denn die Legende erzählt, dass er eines Nachts bei der Jagd einen Hirsch erblickt habe, zwischen dessen Geweih ein Kreuz hell leuchtete.
Im selben Augenblick vernahm er eine innere Stimme, die ihn darum bat, sich Gott zuzuwenden.
In vielen Legenden wird von dem “zündenden Funken” gesprochen, zum einen eine schöne Erinnerung daran auf Zeichen und die eigenen Intuition zu achten, zum anderen kann man daraus ablesen, dass die Erzähler womöglich Wert auf eine Art Argumentationsverstärkung legten, wie Martin Luther, der Schutz erflehte und den Eintritt in das Kloster schwur, bliebe er nur verschont vor den Blitzen. Es hat einen gewissen Charme, ohne Frage.

Desweitern erinnert mich diese Legende natürlich an den keltischen gehörnten Gott, Cernunnos.
Im Sommer soll er sich mitunter als Wildschwein zeigen, im Winter als stattlicher Hirsch.
Wahrscheinlich wird er schon sehr lange verehrt, denn bei Ausgrabungen neolithischer Begräbnisstätten fand man Stammespriester in gehörnten Kostümen.
In der Darstellung auf dem Kessel von Gundestrup, sitzt er mit untergeschlagenen Beinen zwischen all den Tieren und Pflanzen im Wald und trägt einen Torques, ein runder, schwerer Halsreifen mit offenem, verzierten Verschluss. Ein Herrschaftszeichen. In den Händen trägt er eine gehörnte Schlange und einen weiteren Torques. Er ist Wächter des Todes und der Wiedergeburt. Ihm wird die Natur und die Jagd, später sogar Wohlstand und Handel zugeschrieben.
Durch die Christianisierung erfuhr er wegen der Hörner und der Schlange eine düstere Umdeutung zum Abbild Satans, was diesem Gott in keiner Weise entspricht.

Wer sich mit alten Mythologien beschäftigt, trifft auf viele solcher Gemeinsamkeiten.
Ich kann auch die Sagen-und Märchensammlung der Gebrüder Grimm empfehlen.
Wer dort mit offenem Geist liest, wird viele Schätze und Querverweise finden.
So wirklich neu ist eben nichts auf dieser Welt.

Bräuche am Hubertustag

In katholischen Kirchen feiert man die Hubertusmesse.
Brot, Salz und Wasser werden geweiht und Teile davon gibt man anschließend in das Tierfutter, um den Viehbestand vor Krankheiten und Ungemach zu schützen.
Die Segnung dieser wichtigen Lebensmittel bedeutet Fruchtbarkeit und Wohlstand, ein harmonisches Gemeinschaftsleben, Schutz vor Krankheit, Unglück, Verwünschungen und bösen Zauber.
Es werde auch heute noch Hubertusjagden veranstaltet. Meist beginnt sie mit dem Morgengrauen und endet mit einem festlichen Ausklang bei Speis und Trank.
Heute werden sie meist ohne eine wirkliche Jagd ausgetragen, nur des Vergnügens wegen.
Es wurden Getreidebrei und Brotfladen vor die Türen gestellt, um die Wilde Jagd der Geister zu besänftigen und die Bewohner zu schützen.
In geselliger Runde wurden die Hubertusbrötchen verspeist und so der Schutz einverleibt. Auch die Tiere vergaß man nicht, sie bekamen auch ihren Anteil an der Leckerei.

Der Hirsch

In mythologischer Hinsicht ein magisches Tier, das uns mit der Natur verbindet.
Wenn wir uns in einer Meditation mit seinem Geist verbinden, spüren wir seine Hoheit, finden uns in verwunschenen Wälder wieder und kommen auf so manch gute Idee zur Nutzung von Kräutern oder anderen Möglichkeiten zur Heilung von Leiden, besonders der Seele. Wir spüren seinen Geist, der uns bereitwillig rät und uns mit auf eine wunderbare Reise in uns unbekannte Welten nimmt.
Wer sich dem öffnet, schwelgt im dem Duft des Waldes, der Kraüter, Blumen und Pilze.

Räucherungen:
Alles, was man mit dem Wald assoziert. Fichtennadeln, Fichtenrinde oder Harz zum Beispiel.

Rezept Hubertusbrötchen

Die leckeren Plätzchen werden gegessen, um vor den Gefahren des Waldes zu schützen.
Natürlich kamen auch die Tiere des Haushalts in den Genuß des Gebäcks und des Schutzes.

4 EL Milch 1 Ei und ein Eiweiß
125 g Butter 125 g Speisequark
1 Päck. Trockenhefe 100 g Rosinen
80 g Zucker 1 Päck. Vanillezucker
1 Prise Salz
Ein Eigelb und 1 El Milch zum Bestreichen

Milch erwärmen und darin die Butter schmelzen lassen.
Mehl und Hefe in einer Schüssel vermischen. Übrige Zutaten, bis auf die Rosinen, daruntermischen und mit dem Knethaken zu einem glatten Teig verarbeiten.
Zugedeckt an einem warmen Ort gehen lassen, bis sich der Teig etwa verdoppelt hat.
Teig nochmals durchketen, die Rosinen gleichmäßig untermengen und 12 runde Brötchen formen.
Auf ein vorbereitetes Backblech legen, abdecken und nochmals gehen lassen.
Mit der Milch/Ei Mischung bestreichen und bei 180 Grad, Umluft 160) für 20 min im vorgeheizten Backofen backen.

Noch eine kleine Bauernregel:

Bringt Hubertus Schnee und Eis, bleibts´s den ganzen November weiß.

Einen schönen Sonntag wünsche ich euch, eure Mogrian