Aus dem Nähkästchen einer Kartenlegerin

Der Trickster

Oder warum alles schief und schiefer geht

„Was habe ich nur verbrochen“ oder „mit was habe ich das verdient“, diese verzweifelten Ausrufe kennt jeder, hat sie vielleicht das eine oder andere Mal selbst gebraucht.
„Verhexte“ Tage, gelingen will nichts und durch beherztes Strampeln rutschen wir nur noch tiefer in das Schlamassel.
Wenn sich nichts fügt, der Kuchen nicht aufgehen will, das Auto streikt und der Bus nicht fährt, das sind Momente, in denen wir uns fragen, warum sich das Schicksal auf uns eingeschossen hat.
Natürlich existieren auch die gewaltigen Schläge, der Verlust der Arbeit, Unfälle, Verlust von geliebten Menschen, Konflikte und ähnliche Katastrophen.
Nun werde ich oft gefragt, WARUM?
Heute wird ja gern verbreitet, dass alles irgendwie einen Grund haben muss und sei es auch nur eine Lernaufgabe. Oder es wird sogar Schuld zugesprochen, Karma, Verfehlungen, man wird schon etwas falsch gemacht oder verbrochen haben.
Am Ende wird suggeriert, dass wir uns das unbewusst ins Leben gezogen haben, meist dann, wenn stichhaltige Argumente nicht zu finden sind.
Wie grausam solche Lehren sind. Wie niederschmetternd für die Betroffenen, wie arrogant von den Verbreitern.

Da fällt mir etwas eigenartiges auf.
Noch nie habe ich jemanden nach dem Sinn von Glück fragen hören.
Nie hat sich jemand beschwert, dass es jetzt mit dem vielen Glück aber auch mal wieder reicht.
Obwohl beides unkalkulierbar ist und vom Himmel fällt wohin es eben fällt, löst Glück schlicht Glück aus und Pech (oder auch Leid) wird in alle Atome auseinander sortiert, die Nächte durchwacht und das Schicksal verflucht.
Wo Sonne ist, ist auch Schatten.
Die Welt besteht aus Dualitäten und Willkür.
Wir können nur lernen es als natürlichen Bestandteil des Lebens zu akzeptieren.
Lassen wir die Kirche im Dorf und machen uns lieber Gedanken , wie wir uns arrangieren können und hoffentlich glimpflich davon kommen.


Der Trickster

In allen Kulturen gibt es Wesen, die sich genau mit diesem Phänomen beschäftigen.
Genau genommen steht es in ihrer Stellenbeschreibung.
Der nordische Loki, Kobolde oder der japanische Tanuki zum Beispiel.
Gesellen, die miese Streiche spielen.
Ihr Wesen ist zwiespältig, sie können unermesslich Gutes tun oder auch eben völliges Chaos anrichten, wie es ihnen gerade beliebt.
Ihre „Zuwendung“ basiert auf dem Prinzip des Lostopfs.
Auch wenn man nicht an Götter und Geistwesen glaubt, so kann es uns etwas über die Kausalität von Ereignissen erklären. Es kann, aber es muss nicht sein.
Schuld existiert nur, wenn wir aktiv geworden sind oder versucht haben etwas einfach auszusitzen.
Hans kuck in die Luft oder auf das Handy, Fristen missachten, sich nicht kümmern oder riskant agieren, ja, da müssen wir uns nicht beschweren, wenn es schief geht.
Aber hier geht es um die Dinge, die uns aus heiterem Himmel in den Schoß fallen.

Das Schicksalsrad dreht sich. Und wie Räder so sind, einmal hoch und wieder runter.
Ohne unser Zutun.
Es hält Überraschungen, Enttäuschungen, Verletzungen, Verzweiflung und überströmendes Glück bereit. Einfach so, ohne Einfluss, ohne Schuld.
Das Leben kann manchmal unbestechlich, ungerecht und schmerzvoll sein.
Gewöhnen wir uns lieber daran und lernen wir unsere Stärke kennen, all die Stolpersteine zu überwinden.
Mehr bleibt uns nicht und wer immer versucht einen mutmaßlich Schuldigen oder gar sich selbst dafür zur Rechenschaft zu ziehen, der wird es noch viel schwerer haben.

Eine Welle ist von unserer Gegenwehr völlig unbeeindruckt. Erst zieht sie den Sand unter unseren Füßen weg, dann wirft sie uns um und schlägt mit der gleichen Macht an den Strand, als gäbe es uns nicht.
Oft sind wir eine Nussschale auf dem rauen Meer, ein Blatt im Wind, ohne Halt und Güte werden wir durchgeschüttelt.
Die Natur zeigt uns, wir sind gegen so vieles machtlo. Wo soll denn da Schuld herkommen?
Das würde ja voraussetzten, dass wir auf alles, sogar auf das große Ganze, einen gewaltigen Einfluss hätten.
In manchem können wir einen Sinn erkennen, manches haben wir verursacht, manches kommt und geht ohne Sinn, ohne Zweck, ohne Schuld.
Wieso sollten wir über der Frage verrückt werden, welchen Sinn es macht, wenn gar kein Sinn innewohnt.

Wenn das Schicksal willkürlich zuschlägt, wenn sich alles auf den Kopf umkehrt, wenn das eigene Leben auseinanderfliegt, macht das Angst.
Wir drängen nach Antworten und das ist normal und veständlich.
Nur dürfen wir uns nicht an der trügerischen Berechenbarkeit des Lebens festkrallen.
Das Leben ist nicht logisch und nicht immer gibt Minus und Minus Plus.
Niemand versteht, wie das Glück und das Pech aufgeteilt sind.
Manches ergibt auch noch nach vielen Jahren keinen Sinn.
Und auch aus der Distanz kann man über manches eben nicht lachen.

Ein guter Freund sagte immer, „Das Leben ist hart, aber ungerecht“
So negativ müssen wir es nicht sehen, doch etwas mehr nüchtern und realistisch.
Mist passiert, Wünsche werden nicht erfüllt und Dinge gehen daneben.

Das Leben ist wie eine Wundertüte, einwenig Müll, einwenig Süßes und eine tolle Überraschung oder nur Plunder.
Wir können es auch gelassen nehmen, denn allein unsere Reaktion darauf ist, worauf wir einen aktiven Zugriff haben.









2 Kommentare zu „Der Trickster

  1. Vielen vielen Dank, da freue ich mich sehr!
    Ich gebe dir in allem Recht. Nur haben eigene und die Erfahrungen anderer immer wieder gezeigt, dass es einen „Trickster“ gibt. Wie eben, ich wollte an der Seite arbeiten und dir antworten, da versagte zuerst die Internetverbindung und um einiges später fast die Nerven. Das ist der kleine Fehlerteufel, der einem gerne mal die Beine stellt. Nicht alles auf der Welt ist zu beeinflussen. Sogar das meiste nicht. Und wie könnte ich einer Dame ernsthaft sagen, dass sie den Tod ihrer Tochter in ihr Leben gezogen hat. Wie oft sitzen Menschen vor mir, die mit einer Schuld herumlaufen, weil sie denken, sie hätten gedanklich ihr Leben zerstört. Mir liegen alle Menschen am Herzen, das Leben ist soviel komplexer und unberechenbarer als manch einer es uns weismachen will. Für alle, die damit gut zurecht kommen, ist es ein Segen. Doch was leicht daher gesagt ist, erfordert Übung und Wissen und nochmal Übung. Und trotzdem fährt einem am anderen Tag einer ins Auto. Ich tue mein Bestes, um mit meinen Klienten einen verünftigen Mittelweg zu finden. „Sei Schöpfer in deinem Leben und lerne zu akzeptieren, was nicht zu ändern ist. Lass es dich nicht auffressen.“ Ich schreibe aus meiner Erfahrung als Beraterin, will Menschen da abholen, wo sie sind. Daher muss ich Maß halten. Ich würde mich auch sehr über ein Gespräch mit dir freuen und die Karten sind immer bei der Hand. Liebste Grüße, Mogrian

  2. Hallo Mogrian,
    ich habe mich ein wenig bei dir umgesehen und auch einiges gelesen.
    Bei diesem Artikel habe ich mich entschlossen etwas zu schreiben.
    ,, Das Leben ist kein Ponnyhof“ oder ,, Das Leben ist hart und ungerecht“
    sind Glaubenssätze, die destruktive Ereignisse in Gang setzen, gemäß/entsprechend, als Resonanz auftreten. Die Hermetik erklärt ganz gut warum das so ist.

    Das Leben IST das, was wir daraus machen.
    Destruktive Glaubenssätze in Konstruktive um zu wandeln ist Arbeit an sich selbst.
    Es lohnt sich, zumal wenn einen dann konstruktive Ergebnisse überraschen.

    Ich finde deinen Blog super und werde alles noch lesen.
    Tolle Gestaltung, sinnige Texte, ich bin begeistert.
    Ich freu mich schon auf ein Gespräch mit dir und will mir auch mal die Karten von dir legen lassen.
    Es grüsst dich herzlichst
    Esther

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