Alte Bräuche und Weisheiten · Mogrians Sonntagsgedanken

Ich geh mit meiner Laterne

Die Nächte waren klamm und kalt, wenn ich mich früher mit meinen Kinder aufmachte, um mit gebastelten Laternen durch die Straßen zu ziehen. Die Gesichter strahlten, die Nasen waren rot, aber begeistert schallten die Lieder durch die Dunkelheit.
Um diese Stimmung, diese Botschaft zu erfassen, braucht man keine Wurzeln in der Kirche, sie sind universell.

Sankt Martin

Martin wurde (um 310 herum) als Sohn eines römischen Militärs in Sabaria geboren.
Seine Jugend verbrachte er im italienischen Pavia, dort kam er mit dem Christentum in Verbindung.
Die Söhne römischer Offiziere waren dazu verpflichtet selbst in den Dienst einzutreten.
Martin kam zur Reiterei, stieg ebenso zum Offizier auf und wurde nach Frankreich beordert, wo das römische Heer sich gerade mit den Allemannen herumschlug.
Martin wuchs in den Glauben hinein und als später die Gallier zurückgeschlagen werden sollten, berief er sich auf seine religiösen Bedenken gegen den Kampf, was ihm aber nichts half.
Kaiser Julian bestand darauf, dass er seine Militärzeit bis zum Ende führen muss.
Jetzt eine kleine Zusammenfassung:
Martin ließ sich taufen, er lernte bei Bischof Hilarius und zog sich als Eremit auf eine Insel bei Genua zurück.
Der hilfreiche Martin wurde wegen der asketischen Lebensweise und seiner Hilfsbereitschaft geschätzt und nach dem Tod des Bischofs von Tours unfreiwillig zu dessen Nachfolger gewählt.

Martinsgans

Da gibt es nun zwei Geschichten, die eine ist für die Gänse schmeichelhafter.
Da geht es nun um die Steuer, die am 11.11 für die Hühner und Gänse eingetrieben wurde.
In der anderen Geschichte wird erzählt, dass Martin nicht Bischof werden wollte und sich versteckte. Durch das laute Geschnatter der Gänse wurde er verraten und entdeckt.
Der Verrat wird mit dem Gänseessen am Martinstag vergolten.

Martin und sein Mantel

Der Legende nach traf der junge Soldat Martin im bitterkalten Winter, am Stadttor von Amiens, auf einen bettelarmen Mann.
Der Arme fror schrecklich, seine wenige Kleidung schütze ihn kaum vor dem beissenden Frost.
Martin sah, wie der Mann die Menschen auf der Straße um Hilfe bat und er sah, wie ihn alle ignorierten.
So fasste er einen Entschluss. Selbst nur mit dem Nötigsten auf dem Pferd sitzend, griff er sein Schwert und teilte den Mantel, den er selbst brauchte, in zwei Hälften.
Was muss der Bettler nur empfunden haben?
Einwenig Schutz und eine kleine Chance zu Überleben. Martins Güte und vielleicht die Erkenntnis, dass nun auch Martin fror. Einen Hauch von Vertrauen in die Menschheit?

Pelzmärtel

Nachdem Martin für diese selbstlose Nächstenhilfe und seinen Lebensweg mit der Heiligsprechung gedankt wurde, tauchte das nächste Problem auf.
Die Reformation tobte durchs Land und Martin Luther, dem man ja nicht gerade Tiefenentspannung und Toleranz nachsagen konnte, hielt seine Schäfchen dazu an, nicht mehr an der Heiligenverehrung teilzuhaben.
Autsch, welch ein Schlag für die Menschen im ausgehenden Mittelalter.
Heilige halfen, trösteten und schützten.
Tradition und Brauchtum läßt sich nicht so leicht kleinkriegen.
Die Hilfsbereitschaft, die Gnade, die Selbstlosigkeit und natürlich die Kinder, die doch auf Obst und Nüsse warten und mit ihren Lichtchen um die Häuser ziehen wollen.
Sankt Martin nimmt uns keiner weg, dachten die Gläubigen kurzerhand.
Das war die Geburtsstunde des Pelzmärtels, man kennt ihn besonders in Franken, wobei er oder ähnliches mir auch schon in anderen Gegenden begegnet sind.
Er übernimmt nun also die Aufgabe Martins und im Herzen weiß und dankt eh jeder dem wahren Wohltäter.

Wer sich mit Brauchtum und Tradition anlegt, könnte auch versuchen den Wind anzuhalten.
Die Kostbarkeiten des Jahreskreises sind mitunter Feste, die weit vor Christus ihre Anfänge nahmen. Ob sie nun wissenschaftlich einen Sinn oder auf einer historisch belegten Tatsache beruhen, wen interessiert es.
Sie strukturieren das Jahr und geben dadurch Geborgenheit, verbinden die Gesellschaft und haben immer eine Botschaft.
Nächstenliebe, Hoffnung, Dank und Vorfreude, die Bitte um Bewahrung und Segen.
Es sind sinnliche Feste, die nicht altmodisch sind, sondern ein Anker im Sturm des Lebens.
Für mich sind sie religionsübergreifend, denn die Bräuche sind ein verwobener Zopf, der sich durch alle Epochen immer weiter geflochten hat.
Durch Völkerwanderung und Vermischung der Kulturen haben wir ein buntes Füllhorn von Traditionen, da kann man nie daneben liegen.
Auch wenn die Moderne geradezu bessenen davon ist, alte Zöpfe abzuschneiden, so betrügt sie sich selbst um einen großen Schatz an persönlichen Wurzeln und Lebensfreude.

Martins Weckla

Traditionell werden Brötchen oder auch Männchen gebacken und natürlich mit anderen geteilt.

1 kg Mehl
2 Würfel frische Hefe
250 g flüssige Butter
160 g Zucker
Geriebene Zitronenschale (Bio)
2 große Eier
1 Prise Salz
Wer mag Rosinen, nach dem ersten gehenlassen dazukneten
2 Eigelb und etwas Wasser zum Bestreichen


Hefe mit der lauwarmen Milch verrühren. Gemeinsam mit den anderen Zutaten verkneten und abgedeckt an einem warmen Ort auf die doppelte Menge aufgehen lassen.
Backblech mit Backpapier belegen oder fetten und eine Tasse Wasser in den Backofen stellen.
Für die Weckle ca 90 g abwiegen, Kugeln formen und sie im vorgeheizten Backofen (50° und abgeschaltet) abgedeckt für ca 15-20 Minuten gehen lassen.
Weckle rausnehmen und den Ofen auf 180 ° vorheizen.
Nun mit einer spitzen, geölten Schere jeweils in der Mitte des Randes der Brötchen einen “Zacken zum Teilen” einschneiden.
Weckle mit der Ei/ Wasser Mischung bestreichen.
Nun die Weckle für ca 12 Minuten backen, sie sollten nicht zu dunkel werden.

Viel Spaß beim Backen und natürlich beim Teilen, eure Mogrian



4 Kommentare zu „Ich geh mit meiner Laterne

  1. Auch wenn nicht immer alles belegbar oder wahr ist, denke ich, dass viele Geschichten aus der Zeit heraus einfach entstehen mussten. Und das macht sie so faszinierend. 🙂
    Und wenn sie dann noch so liebevoll erzählt werden, wie von Dir – möchte man am liebsten nur noch lauschen!

    Liebe Grüße,
    Werner

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