Mogrians Sonntagsgedanken

Im Hirn alles voll Beton

Der Tellerrand ist gar nicht soweit weg, wie du denkst.
Basserin am Schlagzeug

Ich bin ein Gewohnheitstier. Ich lerne und lese sehr viel, aber das ist Interesse und ändert rein gar nichts an meinem Tagesablauf, an den lieb gewordenen Gewohnheiten und am Tellerrand.
Die meiste Zeit leben die meisten Menschen in der Vergangenheit.
Und das kommt so;

Unser Hirn lernt durch die chemischen Verbindungen, die entstehen, wenn wir etwas tun.
Zuerst entsteht ein Trampelpfad, dann eine Landstraße, bis hin zu einer Autobahn.
Das sind dann die Tätigkeiten, die kaum noch Kreativität zulassen.
Also die sogenannte „Betriebsblindheit“.
Autofahren ist ein schönes Beispiel. Als ich meinen Führerschein neu hatte, störte mich sogar der Scheibenwischer in meiner Konzentration. In welchem Gang ich fuhr? Ja, keine Ahnung, ich musste auf die Straße und die anderen Verkehrsteilnehmer achten.
Nun, viele Jahre später, widme ich dem Vorgang des Fahrens keinen Gedanken mehr.
Die Abläufe sind automatisiert.

Und genauso funktioniert der Tagesablauf.
Eine schöne Struktur, jeden Tag dieselbe, außer es passiert etwas Unvorhergesehenes.
Das macht einen dann aber auch irgendwie maulig.
Was aus der Routine ausbricht, ist eben nicht gern gesehen.

Leider ist das auch der Grund, warum wir uns mit Neuem so schwer tun.
Es erfordert Denkarbeit, Kreativität, Zeit und Mühe.
Viel leichter gehen doch die gewohnten, eingeübten Dinge von der Hand.
So fahren sich die Spuren ein und wir haben kaum noch die Möglichkeit auszuscheren.

30 Tage Challenge

Da ich mich in letzter Zeit viel damit beschäftigt habe, möchte ich nun erkunden, was es tatsächlich mit mir macht, wenn ich meine Gewohnheiten ändere.
Und ich kann berichten, es ist gar nicht so einfach aus den Gleisen auszuscheren.
Ich muss ganz bewusst sein, ganz bei mir, ganz im Hier und Jetzt.
Es fordert meine Disziplin, es zwingt mich zu hinterfragen, es holt mich zurück zu mir.
Ich habe erkannt, was „schon immer so war“.
Ich habe erkannt, was nicht meins ist.
Es erschüttert mich, lehrt mich unerwartete Dinge, strengt mich an.

Was ich verändert habe

  • Ich vermeide es, immer den gleichen Weg zu gehen.
  • Die Tagesroutinen gestalte ich jeden Tag anders.
  • Ich lese Bücher, die mich erstmal nicht interessieren.
  • Ich nehme mir eine Stunde um zu meditieren und zwar jeden Tag.
  • Ich habe mich einem Stammtisch angeschlossen, was mir vorher nie eingefallen wäre.
  • Ich versuche für die täglichen Notwenigkeiten andere Lösungen zu finden.

Morgens schlage ich die Augen auf und gehe nicht selbstverständlich in mein altes ICH, dass alles schon in und auswendig weiß und wie ein Roboter exakt durch den Tag eilt.
Und langsam merke ich, wie die Krusten aufbrechen.
Neue Erkenntnisse schwappen hoch.
Ich erkenne Muster, die nicht meine sind, die mir auch nicht gut tun.
Ich achte mehr auf mich, auf meine Tätigkeiten, auf die Zeit und wie ich sie verbringe.
Ich übe mich im Paradigmenwechsel.
Lebenseinstellungen, die mir fremd und unverständlich sind, durchdenke ich.
Versuche sie nicht abzutun und mich darüber zu stellen, sondern einen Zugang zu finden, umso unbequemer, umso besser.
Nicht mehr wegdrehen, wenn etwas unbequem ist, durchbeißen.
Wenn ich etwas nicht verstehe, recherchieren, nachfragen, nach dem Verstehen ringen.

30 Tage, das bin ich mir Wert und die Erfahrung ist schon jetzt sehr wertvoll.
Was ich regelmäßig weitermachen werde, weiß ich noch nicht.
Aber, dass ich es empfehlen kann, weiß ich bestimmt.
Spannendes wartet hinter den gewohnten Ecken.

Eine schöne Woche wünsche ich euch, eure Mogrian


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