Alte Bräuche und Weisheiten · Rauhnächte

Die Percht geht um

Die Percht geht um, gebt Acht.
Der Sturm heult um das Haus. Schneeflocken toben durch die Luft und die Finsternis malt die Landschaft pechschwarz.
Geräusche lassen erschaudern. Die Wilde Jagd beginnt.
Wohl dem, der seine Vorbereitungen für Die Rauhnächte getroffen hat.
Großmütter erzählen gern von der Wilden Jagd, von Frau Holle, Wotan, der Percht, der Wilden Lucie und dem Dammer mit´m Hammer. Meine jedenfalls tat es. Und keine Angst. Auch, wenn mir damals die Gänsehaut über den Rücken lief, so nahm ich an meiner Kinderseele keinen Schaden. Ich liebte diese Geschichten. 

Der Dammer und die Wilde Lucie

Von beiden wurde früher gerne erzählt, um unartige Kinder im Zaum zu halten.
Da geht es wenig zimperlich zu.
Der Dammer klopft mit einer Eisenkette an die Fensterscheibe und wenn er erst in der Stube ist, schwingt er seinen Hammer und haut dem Kind auf den Kopf.
Während Lucie eine Sense bei sich trägt.  Sie schlitzt bösen Kindern den Bauch und näht Steine hinein, um sie anschließend zu ertränken.
Knecht Ruprecht ist da ein Waisenknabe und der verpönte Struwwelpeter an Harmlosigkeit nicht zu übertreffen.
Früher war man eben aus einem anderen Holz geschnitzt, das darf man nicht vergessen.
Kinder schufteten auf dem Hof. Sie liefen in schlechter Kleidung bei Wind und Wetter, mehrere Kilometer in die Dorfschule.
Solche Geschichten verstehen sich nur im Kontext der jeweiligen Zeit.
Ich möchte nichts verurteilen, keiner von uns weiss, wie es sich anfühlte, in so rauen Zeiten zu leben.

Frau Holle-Die Percht

Sie ist die Göttin des Lebens. Sie begleitet ebenso die Toten in das jenseitige Reich, wie die kleinen Wesen in die Welt.
Ungetaufte, verstorbene Kinder versammeln sich um sie und werden von der Holle behütet und gepflegt.
Sie begegnet den fleißigen, rechtschaffenen Menschen freundlich und gütig.
Man erzählt, dass sie bei schweren Entbindungen hilft und auch so manchem Bergsteiger oder Wanderer in Not den Weg in eine Zuflucht weist. Auch verliert sie gern mal Münzen oder verwandelt Wolle beim Spinnen in Gold.
Doch rüde straft sie Faulheit, Habgier, Neid und Zwist. Sie schickt Alpträume, läßt alles mißlingen oder die Unbelehrbaren sterben. Sie wacht über die Regeln der Rauhnächte, sieht jedes Vergehen und prüft die Menschen.
Dazu zieht sie unter einem Heidenlärm mit ihrem Gefolge durch die Nacht.
Wer sich nicht um Läuterung bemüht, wird ihre Gunst erst zurückerlangen, wenn er aus tiefstem Herzen Besserung verspricht.
Wenn man diesem Zug in der Nacht auf freiem Felde begegnet, wird man in das Totenreich verschleppt und wird nie wieder gesehen.
Häuser müssen versperrt sein. Vieh muss im Stall bleiben. Wäsche darf nicht an der Leine hängen, denn wenn die Holle oder die Wilde Jagd daran hängen bleiben, dann kommt alle Hilfe zu spät.

Wotan und die Wilde Jagd

Der Göttervater tobt in den Rauhnächten auf seinem achtbeinigen Schimmel über die Erde, gefolgt von seinen Raben, den Wölfen und seinem Totenheer.
Sie sind gekommen um die Menschen zu prüfen.
Die Pforten zur Unterwelt gehen auf, Dämonen, böse Geister und Unholde treiben ihr Unwesen.
Wer nach draußen geht oder Fenster und Türen nicht versperrt, wird verschleppt oder ernsthaft verletzt.
Durch die kalte Luft wabert das Kriegsgeschrei, Hörnerblasen, Peitschenknallen und wildes Geheul.
Wohl dem der Unterschlupf findet.
Wotan verbindet uns mit unseren Ahnen, in diesen Nächten bekommen wir die Möglichkeit durch sie in den Brunnen der Zukunft und der Weisheit zu sehen.
Angst und Ehrfurcht öffnet der Erkenntnis den Weg in die Seelen der Menschen.
Wotan in seiner Weisheit gibt uns die Möglichkeit uns immer mehr in das geheime, magische Wissen einzuweihen.
So wählt er mit Bedacht die kalte, stade Zeit, um zur inneren Einkehr aufzufordern.
Nach den Rauhnächten kehrt Wotan nach Walhall zurück , um fortan das Menschenvolk zu beobachten.
Bis die Rauhnächte erneut beginnen.
Im Herbst können wir seinen Spuren folgen, denn wo immer Geifer seines Pferdes auf den Boden tropfte, wächst ein Fliegenpilz.

Mit all diesem Wissen können wir uns nun gut auf die Rauhnächte vorbereiten.
Wo wir in der Julnacht noch ausgelassen feierten, kehrt in den Rauhnächten nun Ruhe und Einkehr ein.
Das Weihnachtsfest läßt uns in der Familie Kraft schöpfen und hält unsere Werte zur Prüfung bereit.
Ab dem 25.12 geht es dann an die Gestaltung der Rauhnächte.
Dazu lade ich euch alle ein!

Noch eine letzte Bemerkung.
Begegnet man in diesen Nächten gespenstischen Gestalten, so sollte man sich zusammenreißen.
Kommt die Perch mit ihrem Gefolge, so sei stark.
Erschreckt man oder läuft gar davon, jagen sie einen von dannen!
Und man ward nie mehr gesehen.
Eure Mogrian

Foto: ArtWorks Pixabay

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