Alte Bräuche und Weisheiten

Brauchtum im Herbst

Brauchtum im Herbst- ein Füllhorn tut sich auf.
Diese zauberhafte Jahreszeit genieße ich besonders. Da ich stundenlang darüber erzählen könnten, habe ich mich an eine Auswahl gewagt.

Der Herbst ist da

Das Licht wird weicher, der Morgen klamm und immer öfter zieht der Nebel über Wiesen und Bäche.
Buntes Laub raschelt unter den Schuhen, die Felder sind abgeerntet und fleißig werden Beeren, Nüsse und Eicheln von den Tieren für den nahenden Winter gesammelt. Winterspeck muss angefressen werden. Behausungen werden mit Proviant und warmem Füllmaterial zurecht gemacht.
Sturm und Regen sind nicht mehr weit.
Die Dunkelheit zieht ins Land ein.

Dankbar lagern und verarbeiten auch wir unsere Ernte. So ist oft auch der Herbst dem Element Erde zugeordnet. Gaia, die fruchtbare Muttergöttin, ist Sinnbild für Materie, für Orientierung und Stabilität. An ihrer Hand können wir unsere Ernte begutachten. Für was bin ich dankbar? Ist mir dieses Jahr etwas besonders gut gelungen? Welche Dinge sollte ich loslassen? Wo habe ich noch Aufgaben zu lösen? Erfahrungen dürfen verarbeitet, die Lehren daraus gezogen und die neue Reife integriert werden.
Der Herbst ist eine Zeit der Inneren Einkehr, des Abschieds und des Neuanfangs.
Brauchtum im Herbst war der Dankbarkeit für die Gaben der Natur, dem Schutz vor Hexen und Dämonen und dem Gedenken an Verstorbene gewidmet.

Maria

An Maria Himmelfahrt (15.8) beginnt der Frauendreißiger. Bis zum 12. September sind alle fürsorglichen, weiblichen Themen gesegnet.
Zeit zum Kräuter und Beeren sammeln, zum Tinkturen und Salben herstellen.
All das ist in dieser Zeit besonders gesegnet und somit auch wirksamer.
In den Jahren, in denen es reichlich Vogelbeeren gibt, sagt man übrigens, dass die Natur für einen strengen Winter vorsorgt.
An Maria Namen ( 12.9) endet der Frauendreißiger. Da Maria alle Felder, Tiere und Menschen segnet, durften die Armen an diesem Tag die Erntereste auf den Feldern einsammeln.
An Maria Namen sagt der Sommer Amen. 
Von nun an zieht also der Herbst ein.

Brauchtum im Herbst

St.Michael ( 29.9 Namenstag der Erzengel Rafael, Gabriel und Michael ) ist der Stichtag für den Abschluss aller Arbeiten, die man draußen verrichten muss.
Michael zündet das Lichterl an, dass das Dirndl spinnen kann.
Elektrisches Licht begann sich erst zwischen dem ersten und zweiten Weltkrieg in Bayern zu verbreiten. Gerade auf den Höfen brach zu St.Michael eine dustere Zeit an. Dabei war die Arbeit, die man im Haus zu verrichten hatte, umfangreich.
Flachs und Wolle mussten gesponnen und verarbeitet werden. Die Frauen flickten, strickten und nähten Kleidung. Vieles im Schrank bedurfte der Reparatur.
Vorräte mussten konserviert und sorgfältig eingelagert werden.

Klöppeln

Manche Bäuerinnen konnten über den Winter mit Lohnklöppeln den Unterhalt des Hofes unterstützen.
Klöppelmuseum Abenberg

Die Bauern und Knechte reparierten und pflegten ihre Gerätschaften und bereiteten für das kommende Jahr vor.
Wir können uns sicher vorstellen, wie beschwerlich das ohne elektrisches Licht gewesen sein muss.

Gutes Licht war nämlich teuer, so mussten diese Arbeiten gewöhnlich im Schein von stinkenden und rauchenden Talgkerzen oder Kienspänen stattfinden, die kaum Helligkeit spendeten.
Auch die Umgebung war stockdunkel. So verkürzte sich die Spanne mehr und mehr, in der man sich vernünftig um Stall und Tiere kümmern konnte.
Kaum vorstellbar in unsere Zeit, wo es rund um die Uhr so hell ist, dass wir an vielen Orten den Sternenhimmel nur erahnen können.

Schutz für Haus, Tiere und Hof

Wenn es dunkel war und der Sturm ums Haus pfiff, befeuerte das die Angst vor Hexen und Dämonen. Das  spärliche Licht warf tanzende Schatten in den Raum.
Wer ist nicht selbst einmal vor so etwas zurückgeschreckt?

Schutz erhoffte man sich von Kräuterbüscheln, geritzten Drudenfüsse an Türen und Wänden, sowie regelmäßige Räucherungen von Hof und Stall.
Auch Michael wurde um Schutz angerufen. Er ist der Erzengel allen Anfangs, Kämpfer für Ordnung und Schutz und Begleiter der Seele in der Sterbestunde.
Michael gilt als mächtiger Engel mit Flammenschwert, der die Gesetzte Gottes verteidigt und dabei nicht zimperlich vorgeht. Vieles aus den heidnischen Bräuchen hat man im frühen Christentum adaptiert und so erinnert auch Michael an den germanischen Wotan.
Die Bauern teilten sich, wie einst ihre heidnischen Vorfahren, das Jahr in vier Vierteljahre ein. Michaelis ist also das Ende des vorletzten Viertels und für allerlei Bauernregeln und Orakel geeignet.
Regnet’s am Michaelistag, folgt milder Winter nach.
Wenn aber Michael der Wind kalt weht, ein harter  Winter zu erwarten steht.
Mal sehen, wie es dieses Jahr kommt?

Almabtrieb

Die ca. hundert Tage auf der Alm neigen sich dem Ende zu. Die Wiesen in der Höhe werden karg. In den Ställen auf der Alm und im Tal wird einiges zum magischen Schutz der Tiere getan. Auch heute noch.
So bleibt dann der gefährliche Weg von der Alm in den heimischen Stall.
Almer und Almerin machen sich also daran den Schmuck für die Kühe zu binden.
Allerdings nur, wenn während der Almsaison kein Unglück passiert ist.
Hat man ein Tier bei einem Absturz oder Blitzschlag verloren, oder auch einen Menschen auf dem Hof oder der Alm, werden die Tiere nicht herausgeputzt.
Manche Almer fertigen stattdessen ein Schutzkreuz an.

Der Schmuck der Kühe

Der üppige Blumenschmuck dient dazu, die Kuh vor Hexen und Dämonen zu verstecken. Mitunter sind Spiegel eingearbeitet. Schaut die Hexe hinein, erschrickt sie sich und verschwindet.

Gerne wird auch die Silberdistel verwendet.
Beim Wandern allerdings unbedingt stehenlassen, die Pflanze ist geschützt.
Die Silberdistel ist ein Zauberkraut, in Bayern wird sie auch Wiesenkas genannt, da man den Blütenboden essen kann.
Sie zeigt Regen an, in dem sie ihre Blüte schließt und ist auch in der pflanzlichen Heilkunde erwähnt. Pflanzenteile wurden bei Erkältungen, Verdauungsbeschwerden und Hauterkrankungen eingesetzt. Sie wirkt antibiotisch und krampflösend.
Manche Teile der Pflanze sind giftig, Vorsicht!
Ihre Stacheln machen sie zu einer guten Schutzpflanze.
Rote Bänder werden sehr gerne eingeschlungen, da man der roten Farbe eine Schutzwirkung zuschreibt.
Kuhglocken vertreiben ebenso böse Geister.
Rituale des Brauchtums beinhalten immer einen Sinn.

Im Tal angekommen, erfolgt dann der Viehscheid. Dort holt nun jeder Bauer seine Tiere ab und führt sie für den Winter nach Hause.

Zeit der bösen Geister

In der damaligen Zeit, vermuteten die Menschen hinter jedem Unwetter, hinter jedem Misslingen, den Einfluss böser Geister oder Hexen.
So fertigte man aus Lochsteinen und anderen Materialien Amulette an. Im Norden hängte man Hühnergötter ( Lochsteine, die man am Strand findet ) in den Hühnerstall, um sie zu schützen. Auch im Butterfass tun sie ihren Dienst, damit die Butter gelingt.
Getränke für Kranke wurden durch das Loch geschüttet, so wurde die Heilfähigkeit erhöht.
Drei gesegnete Haselnüsse von Maria Himmelfahrt taten den gleichen Dienst.
Aber auch Felsspalten sagte man nach, dass sie Böses und Krankheit abstreifen, wenn man sich hindurch zwängt.

Erntedankfest

Durch alle Zeiten hindurch waren sich die Menschen der Abhängigkeit von der Natur bewusst. Leider verlassen wir uns heute zu sehr auf die scheinbar jederzeit gut gefüllten Regale der Märkte.
Wie nahe wir am Abgrund stehen, wie schnell sich das ändern könnte, verdrängen wir. Zudem ist unsere moderne Lebensmittelindustrie extrem global verstrickt, so dass uns in keiner Weise der Umgang mit der Natur, auch in anderen Ländern egal sein sollte. Unsere Welt ist wie ein Segelschiff. Ändert man den Winkel eines Segels, so hat das Auswirkungen auf alle anderen Segel.

Die Kelten, wie alle unserer Ahnen, gedachten der Ernte, denn sie wussten um deren Wichtigkeit:

Mabon

Ein wunderschönes Lugnasath

Heute werden die Kirchen reich mit Gemüse und Obst geschmückt und im Gottesdienst wird für die gelungene Ernte und Gottes Gnade gedankt.

 

Ahnengedenken und Samhain

Zum Brauchtum im Herbst zählt auch heute noch das Gedenken an die Ahnen und die Verstorbenen.
Allerheiligen, Allerseelen und der Totensonntag.
Die Gräber werden mit Gestecken und Blumen geschmückt.
Besonders erinnert man noch einmal an die Verstorbenen des bald vergangenen Jahres.
In unserer Zeit ehren wir die Toten der Kriege am Volkstrauertag.
Aber auch unsere heidnischen Vorfahren gedachten der Krieger und Kämpfer.
Die Kelten zum Beispiel an:
Samhain, die Geschichte

Keltisch feiern und Halloween

Vielleicht habe ich Appetit gemacht, sich für die alten Bräuche zu erwärmen.
Ich mag sie sehr gern, denn es strukturiert das Jahr und die Vorfreude ist ein steter Begleiter. Kleine Rituale ausrichten, Feuerschalen entfachen oder große Familientreffen, wie auch immer man es für sich gestalten möchte.
In aufgeklärten Zeiten scheint manches Denken fremd, doch ich bin der Überzeugung unsere Seele erinnert sich und findet ein Heim in altbekannter Tradition. Dafür muss ich mein modernes Wissen nicht ad acta legen, ich kann es als zauberhafte Ergänzung begreifen. Nicht umsonst erfreuen sich Almabtriebe, Feuerfeste oder Kirchweihen dem großen Zulauf.
Die Vergangenheit ist eben doch ein Stück von uns, noch immer.
Das Brauchtum im Herbst lädt uns ein!

Habt einen schönen Herbstanfang, eure Mogrian.

Herbstzeit ist auch Orakelzeit.
Wenn du dir eine fröhliche, erhellende Stunde mit mir gönnen möchtest;

Kontakt

Da Bräuche regional unterschiedlich sind, kannst du mir gerne schreiben, wenn du noch eine interessante Ergänzung zu dem Brauchtum im Herbst kennst.