Adventskalender

Weihnachten früher

Weihnachten war in meiner Kindheit mit den heutigen Feiern nicht zu vergleichen.
Oma buk Stollen und Plätzchen. Tante Hilde machte Rum Kugeln (ich liebe dieses Rezept)
In der Stadt war vor dem ersten Dezember von Weihnachten nicht viel zu ahnen.
Überhaupt übertrieb es niemand derart.
Vielleicht erinnere ich mich, im September bereits Lebkuchen müde, so gerne an Früher.

 Geschenke wurden gebastelt, gestrickt oder anderweitig selbst hergestellt.
Manchmal war auch ein Buch oder eine Puppe dabei.
Wünschte ich mir etwas Spezielles, musste ich sparen.
Es hieß: ” Das ist aber nicht der Sinn von Weihnachten, mein liebes Kind.”
Generell war es eben so, dass ich kurz vor Weihnachten Geburtstag hatte und die Schenkerei
eigenartig ablief. Meist bekam ich eins für beides.

Das Puppenhaus wurde am 23. Dezember aufgebaut, am 6. Januar kam es wieder weg.
Meine Tante hatte es aus Schuhkartons gebastelt und es war schöner, als jedes gekaufte.
Möbel, Püppchen und sogar Licht, das aus diesen großen Batterien gespeist wurde, an deren Laschen man die Zunge hält.
Gerade durch den monatelangen Verzicht war ich nicht dazu zu bewegen, das Spiel zu unterbrechen.
Ich bin der festen Überzeugung, das alles geschah nicht völlig ohne Eigennutz meiner Familie.

Am Heiligen Abend wurde morgens das Wohnzimmer versperrt, der Baum von Oma und Tante geschmückt.
Ich schaute “Lemmi und die Schmöker”, mehr an Fernsehzeit war damals nicht zu erwarten.
Der Fernsehapparat in Schwarz/Weiß war Opas Refugium.
Am frühen Abend servierte Oma Bratwürste mit Kartoffelsalat, die gehörten zu Weihnachten, wie die Kugeln am Baum.

Viel Hunger verspürte ich nie.
Ich lauschte wie gebannt auf das Erklingen des Glöckchen und den Sturm ins Wohnzimmer,
wo sich die Geschenke unter dem Weihnachtsbaum befanden.
Tante Hilde schmetterte ein paar Weihnachtslieder, wir Kinder durften kurz spielen,
während sich die restlichen Großen für den Gottesdienst fertig machten.
Zur Christmette stapften wir erst durch den Schnee-ja, in meiner Jugend lag Weihnachten noch einer-
als wir in dem Alter waren, uns zu betragen.
Wichtig war das der Oma.

An den Feiertagen kam Besuch oder wir waren eingeladen.
Dort standen dann auch die Braten mit Klößen, Suppen und Süßspeisen auf dem Tisch.
Geschenke wurden durch die Gegend geschleppt, meine Cousinen sollten doch sehen, was ich neuerdings mein Eigen nannte.
Noch heute wird mir bei der Erinnerung warm ums Herz.

Es waren schöne Weihnachten.
 Gemeinschaft, keiner blieb allein. 
Auch wenn früher nicht alles besser war, diese bescheidenen Feiern waren wunderbar.
Wie ist dein Weihnachten heute?
Fühlst du dich selig und erfreut, oder überwiegt der Stress?

  Habe den Mut Weihnachten so zu feiern, wie es dir gut tut.
Niemand muss sich an anderen orientieren.
Finde mit deiner Familie euer ganz eigenes Weihnachtsfest.
In diesen Tagen liegen viele Chancen zueinander zu finden, dort findest du einen tiefen Sinn,
  jenseits von aller Perfektion und Geschenke. 

Sollte sich nun jemand fragen, wann das war;
ich bin Baujahr ´65.
Und meine Familie verfügte über bescheidenen Wohlstand.
Damals lag der Fokus schlicht nicht auf materiellen Dingen am Weihnachtsabend.